Post bringt günstigere Briefe und Packerln

11. August 2016, 14:00
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Eine neue Tarifstruktur ab Jänner soll dafür sorgen, dass das Geschäft der Post weiter floriert

Wien – Der wachsende Wettbewerb bei Postdiensten in Österreich wirkt sich zum Vorteil der Kunden aus. "Zur Verteidigung der Marktführung im Brief- und Paketgeschäft" werden ab 1. Jänner 2017 neue Produktgruppen mit "Tarifen, so günstig wie noch nie, eingeführt", kündigte der Generaldirektor der Österreichischen Post, Georg Pölzl, an.

Die gelbe Post will mit dem Trend zu "grenzüberschreitenden E-Commerce-Lieferungen" mithalten – zumal mit der deutschen Posttochter DHL zuletzt ein starker Konkurrent in den Markt eingedrungen ist. Standardauslandspakete heißen künftig Paket light International und können bis zu zwei Kilo Gewicht innerhalb der EU um 8,90 Euro statt 14,95 Euro verschickt werden.

Der Inlandsstandardbrief bleibt mit 68 Cent gleich, darüber gibt es noch den Brief "M" bis 75 Gramm, der statt für 1,60 Euro für 1,25 Euro auf den Postweg gebracht werden kann. Für Inlandssendungen wurde das "Päckchen" in zwei Größen kreiert. Es soll so einfach zu handhaben sein wie ein Brief, aber zusätzlich noch eine Sendungsverfolgung bieten – und ist damit in den Augen der Post "die klare Antwort auf die neuen Anforderungen des Onlinehandels".

Dass im rückläufigen Briefgeschäft im zweiten Quartal ein kleiner Umsatzsprung von 1,6 Prozent erzielt wurde, war der Wahl des Bundespräsidenten geschuldet. Die Erlöse in der traditionellen Cashcow Brief, Werbepost und Filialen verringerten sich im ersten Halbjahr um 0,2 Prozent auf 736,8 Millionen Euro.

Den Dauerpatienten Transoflex ist die Post nach zehn Jahren zwar durch den Verkauf an deutsche Logistikfirmen los, doch kränkelt jetzt, wie berichtet, die Beziehung mit dem türkischen Partner. Pölzl machte bei der Halbjahresbilanz kein Hehl aus seinem Ärger über den Paketexpressdienst Aras Kargo. "Das ist ein wortbrüchiger Partner, der zu seltsamen Mittel greift."

Kulturelle Verständnislosigkeit

Der Konflikt um die Aufstockung der Postanteile an dem Unternehmen von 25 auf 75 Prozent, schwelt seit einiger Zeit. Die Situation eskalierte, als das von Evrim Aras geleitete Familienunternehmen kürzlich per Aussendung wissen ließ, "dass es keine Basis für eine weitergehende Partnerschaft mit der Österreichischen Post gibt". Die Rede war von kultureller Verständnislosigkeit des Managements, Zerstörung der Marke und einer "wachsenden Antipathie der Aras-Mitarbeiter gegen Österreich".

Für Pölzl steht fest, dass hinter den Anfeindungen ein simples Motiv steckt: "Die Familie Aras versucht, die geopolitischen Spannungen zwischen Österreich und der Türkei auszunutzen, um einen höheren Preis zu erzielen, als vereinbart war." Dass die Stimmung in der Türkei gegen österreichische Wirtschaftsunternehmen aufgrund der derzeitigen Ablehnung Österreichs eines EU-Beitritts der Türkei umgeschlagen habe, sieht der Post-Chef nicht. Man habe die Zusicherung von offiziellen und halboffiziellen Stellen, dass den von Frau Aras kolportierten Aussagen kein Glaube geschenkt werde.

Als letztes Mittel steht für solche Streitfälle vereinbarungsgemäß die Anrufung eines Schiedsgerichts in Genf zur Verfügung. Was passieren muss, dass dieser Schritt eingeleitet wird, verriet Pölzl aus "verhandlungstaktischen" Gründen nicht. Trotz des rüden Tons aus Istanbul glaubt er an eine gütliche Lösung.

Beim Umsatz gab es im ersten Halbjahr einen Rückgang von 8,8 Prozent auf 1,07 Milliarden Euro. Ohne den Verkauf der deutschen Transoflex zu Jahresbeginn hätte dieser um 0,6 Prozent zugelegt, betonte Pölzl. Das Betriebsergebnis (Ebit) erhöhte sich um 2,2 Prozent auf 98,6 Millionen Euro, das Vorsteuerergebnis (EBT) gab aber um 1,7 Prozent auf 98,1 Millionen Euro nach. Das Periodenergebnis verringerte sich um 4,7 Prozent auf 73,8 Mio. Euro. Der Cashflow aus der Geschäftstätigkeit erhöhte sich wiederum um 1,6 Prozent auf 109,3 Millionen Euro. (kat, 10.8.2016)

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