Studie: Die Alpentäler entstanden eher ruckartig als kontinuierlich

14. August 2016, 11:31
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Schweizer Geologen fanden Hinweise auf schubartige Entwicklung

Bern – Alpine Täler entstanden nicht wie bisher angenommen kontinuierlich, sondern – in geologischen Maßstäben – in ruckartigen Schüben, als vor etwa 30 Millionen Jahren ein Teil der Kontinentalplatte unter den Zentralalpen abbrach. Das berichten Geologen der Universitäten Bern und Genf aktuell im Fachblatt "Scientific Reports".

Vor rund 30 Millionen Jahren tauchte die europäische Kontinentalplatte unter die afrikanische, und die Alpenbildung begann. Flüsse trugen die Landschaft ab und formten nach und nach die Gebirgstäler – so die bisherige Vorstellung. Es lief jedoch wohl nicht so kontinuierlich ab, wie Fritz Schlunegger von der Uni Bern und Sebastien Castelltort von der Uni Genf berichten.

Den Wissenschaftern zufolge verlief dieser Prozess eher ruckartig in Schüben von wenigen Millionen Jahren. Dazu kam es, weil Teile der europäischen Kontinentalplatte unterhalb der heutigen Bündner Alpen abbrachen.

Dadurch verlor die schwere europäische Platte an Eigengewicht, das die Alpen nach unten gezogen hatte. "Diese Situation ist vergleichbar mit einer Eisscholle auf dem offenen Meer, die durch eine schwere Stahlplatte in der Tiefe gehalten wird", erklärt Schlunegger. "Wird diese Stahlplatte entfernt, schnellt die Eisscholle als Folge starker Auftriebskräfte in die Höhe."

Chaotische Schichten

Das Gebirge konnte also wachsen, Flüsse bildeten sich, trugen Geröll ab und formten so die alpinen Täler. Das abgetragene Material lagerte sich am Fuße des Gebirges in Form eines Deltas ab und verfestigte sich. Solche Gesteinskonglomerate bezeichnen Geologen als Nagelfluh.

Ebensolche Ablagerungen hatten die beiden Forscher bei Thun, der Rigi und im Appenzell in der Schweiz untersucht und festgestellt, dass die Flüsse phasenweise mehr und größeres Geröll abgetragen hatten, weil das Gebirge stärker wuchs. So kam es zu dickeren, chaotisch gelagerten Nagelfluh-Schichten, wie man sie beispielsweise an Felswänden der Rigi beobachten kann.

"Wir können anhand unserer Daten nicht sagen, ob das Gebirge kontinuierlich wuchs und nur die Erosion schubartig verlief, oder ob beides ruckartig von statten ging", so Schlunegger. Dafür bräuchte es weitere Untersuchungen. Klar sei jedoch, dass beide Prozesse gekoppelt seien, sehr wahrscheinlich hatten daher auch die Alpen selbst mehrere Wachstumsschübe. (APA, red, 14. 8. 2016)

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