User-Wertung: Wie hat Ihnen "Toni Erdmann" gefallen?

Umfrage15. August 2016, 14:00
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Der diesjährige deutsch-österreichische Cannes-Beitrag begeistert die Kritiker. Wie haben Sie den Film wahrgenommen?

Toni Erdmann ist Coach. "Für das Leben", wie er erklärt. Und er hat sich in den Kopf gesetzt, der Unternehmensberaterin Ines Conradi (Sandra Hüller) zu zeigen, was Lebensfreude eigentlich bedeutet.

Toni Erdmann gibt es in Wahrheit allerdings nicht. Mithilfe von Perücke und falschen Zähnen ist es Ines' Vater Winfried (Peter Simonischek), der sich in exzentrischer Pose wohlzufühlen scheint, inklusive klamaukiger und schnell zu durchschauender Verkleidung. Ebendiese setzt der Musiklehrer für den Versuch ein, seiner Tochter näher zu kommen, als er es als Vater vermag. Anstatt Ines zu unterstützen, treiben seine skurrilen Einfälle sie aber eher in die Ecke. Winfried hat den Humor zu einer Allzweckwaffe erklärt – dafür, dass diese aber an vielen Stellen wirkungslos bleibt, scheint ihm das Gespür zu fehlen. Als Ines sich entscheidet, auf das Spiel des Vaters einzugehen, beginnt ein Kräftemessen.

"Toni Erdmann" von Maren Ade handelt von einer Vater-Tochter-Beziehung, unterschiedlichen Lebensvorstellungen, dem Wunsch nach Nähe und den mitunter absonderlichen Unternehmungen, um diese Nähe herzustellen.

Was sagen die Kritiken?

Obwohl die Eltern-Kind-Beziehung thematisch im Vordergrund stehe, werde der Film auch zu einer Studie darüber, wie "das soziale Miteinander über den Beruf mitbestimmt wird", schreibt DER STANDARD. Gelobt werden die Darsteller der Protagonisten, deren genaues Spiel den Film zum Ereignis machten. Regisseurin Ade schaffe es, Szenen eindringlich, mitunter mit surrealer Note, zu inszenieren, die den Film zu einem "überwältigenden Film über das Rollenhafte des Lebens selbst" werden ließen. "Toni Erdmann" sei auch ein Nachdenken darüber, wie schwierig es sein könne, "der Anforderung zu genügen, ein soziales Wesen zu sein; und darüber, wie der Rollentausch, also der Umweg über den anderen, einen näher zu sich selber bringt".

Auch in der "Zeit" wird die Regieleistung gelobt: Es sei die leichte Art, komplizierte Themen zu verhandeln, die Ades Filme auszeichne. Es gehe um die Tatsache, dass man seiner Familie – auch wenn man will – nur schwer entkomme und dass das Lachen darüber einigen Schmerz abfange. Die Peinlichkeiten des Vaters wie auch die Furcht der Tochter vor ihrer Herkunft würden dabei tragikomisch inszeniert, ohne dass die Figuren bloßgestellt würden. Abschließend wird noch eine der Schlüsselszenen des Filmes herausgehoben: Tochter Ines singt Whitney Houstons "The Greatest Love of All". Zunächst gezwungen, werde die Performance zu einer Art Befreiungsschlag und einer unglaublich berührenden Darstellung der Schauspielerin Sandra Hüller.

Was sagen Sie?

Wie hat Ihnen "Toni Erdmann" gefallen? Welche Szene ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben? Können Sie die Kritikermeinungen nachvollziehen, oder haben Sie eine ganz andere Sichtweise auf den Film? (jmy, 15.8.2016)

  • Ines Conradi feiert Geburtstag.
    foto: filmladen

    Ines Conradi feiert Geburtstag.

  • Peter Simonischek als Winfried Conradi aka Toni Erdmann.
    foto: filmladen

    Peter Simonischek als Winfried Conradi aka Toni Erdmann.

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