Durch neues Gesetz Gehaltsschere schließen?

15. August 2016, 09:00
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Im Bundesstaat Massachusetts dürfen Arbeitgeber Bewerber nun nicht mehr nach ihrem letzten Gehalt fragen – das soll vor allem Frauen zu Gute kommen

Wer sich in den USA um einen Job bewirbt, muss meist zunächst einen Bewerbungsbogen ausfüllen. Darin enthalten ist auch die Frage nach dem bisherigen Verdienst – eine, die auch hierzulande, meist im Vorstellungsgespräch, gerne gestellt wird. Sie hat zwei große Nachteile: Der potenzielle neue Arbeitgeber orientiert sich zumeist an dieser Zahl. Außerdem: Ungerechtigkeiten bei der Entlohnung – die zumeist Frauen betreffen – setzen sich fort.

Im US-Bundesstaat Massachusetts wurde nun ein Gesetz beschlossen, demnach Arbeitgeber Bewerber nicht mehr nach ihrem bisherigen Verdienst fragen dürfen. Ziel ist zu verhindern, dass Frauen im Voraus niedriger in die Verhandlungen einsteigen und in weiterer Folge ihr Arbeitsleben lang geringer entlohnt werden.

Schritt zur Gleichberechtigung?

Das neue Gesetz verpflichte Arbeitgeber, eine aktivere Rolle zu spielen, wenn es um das Ende der Unterbezahlung von Frauen geht, kommentiert Shilpa Phadke, die beim progressive Think Tank Center for American Progress für Frauenrechte zuständig ist. Es scheint aber letztlich nur ein Tropfen auf dem heißen Stein: Nach wie vor "bedrohen die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen die finanzielle Sicherheit von viel zu vielen Frauen in Amerika", sagt Phadke zur Zeitung DIE ZEIT.

Für jeden Dollar, den Männer in den USA verdienen, bekommen Frauen laut US-Statistikbehörde im landesweiten Durchschnitt nur 79 Cent. In Massachusetts verdienen Frauen immerhin 82 Prozent der Gehälter von Männern.

Lohnschere in Österreich

In Österreich liegt die Lohnschere zwischen Frauen und Männern laut Eurostat bei 22,9 Prozent. Verantwortlich für die ungleiche Bezahlung sind verschiedene Gründe: Frauen entscheiden sich häufiger für unsichere und schlechter bezahlte Branchen und Berufe, arbeiten öfter 20 Stunden. Eine Rolle spielt auch, dass sie seltener in die Chefetagen von Unternehmen gelangen.

Neben der unzulässigen Frage nach dem alten Gehalt, beinhaltet das Gesetz aus Massachusetts noch eine weitere Vorschrift: Arbeitgeber dürfen Mitarbeitern künftig nicht mehr verbieten, mit Kollegen über ihr Gehalt zu sprechen. Auch das soll letztlich Frauen helfen – schließlich trägt das Verbot, das in den USA häufig per Arbeitsvertrag festgelegt ist, dazu bei, dass Frauen oft gar nichts davon erfahren, dass sie weniger verdienen. (lib, 15.8.2016)

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  • Für gleiche Arbeit gibt es nicht immer gleiches Gehalt. Ein neues Gesetz soll in Massachusetts dafür sorgen, dass Benachteiligungen ein Arbeitsleben lang einzementiert sind. Es soll vor allem Frauen zu Gute kommen.
    foto: avantgarde austria/richard luerzer

    Für gleiche Arbeit gibt es nicht immer gleiches Gehalt. Ein neues Gesetz soll in Massachusetts dafür sorgen, dass Benachteiligungen ein Arbeitsleben lang einzementiert sind. Es soll vor allem Frauen zu Gute kommen.

  • In Österreich liegt die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern laut Eurostat (2016) bei 22,9 Prozent.
    foto: istock

    In Österreich liegt die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern laut Eurostat (2016) bei 22,9 Prozent.

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