Hungerhormon hat keinen Einfluss auf das Lernen

11. August 2016, 11:10
2 Postings

Bei Mäusen und Ratten verbessert das Hungerhormon Ghrelin das räumliche Denken. Beim Menschen scheint das Peptid diese Wirkung nicht zu haben, zeigte eine Studie

München – Seit über zehn Jahren wissen Forscher, dass das Hungerhormon Ghrelin bei Nagetieren die Denkleistung verbessert, besonders das räumliche Lernen dürfte davon profitieren. Nun haben Wissenschafter des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie die Wirkung des Peptids beim Menschen untersucht.

Plagt der Hunger, genügt ein Griff in den Kühlschrank. So einfach ist das. Meistens. Nahrung in ausreichender Menge zu finden, zu horten, zu verteidigen und zu einem passenden Zeitpunkt zu konsumieren, zählt hingegen im Tierreich zu den kognitiven Höchstleistungen. Daher verwundert es nicht, dass zahlreiche Hormone, die den Energiehaushalt eines Organismus steuern, auch in Denkprozesse eingreifen und diese teils sogar positiv beeinflussen. Das ist auch beim Hunger-Hormon Ghrelin der Fall, zumindest bei Mäusen und Ratten.

Hormon versus Placebo

Ob und wie Ghrelin die kognitiven Leistungen des Menschen beeinflusst, war bislang unklar. Forscher vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München haben nun die Auswirkungen von Ghrelin auf das räumliche Lernen und weiteren "Hirnsport-Disziplinen" untersucht. Dazu mussten 21 gesunde, männliche Probanden zunächst einen virtuellen Spaziergang unternehmen: Die Forscher modifizierten ein Freeware-Computerspiel für ihre Zwecke, die Probanden "liefen" durch eine digitale Vorstadt-Umgebung, während in Echtzeit mit einem 3T-Magnetresonanztomographie-Gerät die Aktivität verschiedener Hirnareale aufgezeichnet wurde (fMRT).

Auf der digitalen Route wurden Begriffe eingeblendet, die sich die Probanden merken sollten. Einmal wurde dabei Ghrelin verabreicht, bei einer weiteren Versuchsanordnung ein Placebo. Welche Substanz jeweils im Spiel war, wussten weder die Probanden noch die verabreichenden Forscher – nur die im Hintergrund agierenden Ärzte waren informiert.

In diesem doppelblinden Modus wurden die Probanden tags darauf gefragt, welche Begriffe ihnen im Gedächtnis geblieben waren. Das Ergebnis: Es gab keinerlei Unterschiede zwischen Ghrelin und Placebo. Die Schlussfolgerung der Forscher: Ghrelin scheint keine Wunderdroge für Menschen zu sein, die uns nach intravenöser Gabe zu wandelnden Gedächtniswundern werden lässt. Zumindest nicht, wenn das Hormon nur kurzfristig verabreicht wird. (red, 11.8.2016)

  • Ein voller Bauch studiert nicht gerne, heißt es. Ein leerer Bauch hat bietet auch keine Vorteile, legt eine Studie nahe.
    foto: apa/georg hochmuth

    Ein voller Bauch studiert nicht gerne, heißt es. Ein leerer Bauch hat bietet auch keine Vorteile, legt eine Studie nahe.

Share if you care.