Aleppo: Russisches Militär kündigt Feuerpause an

11. August 2016, 05:42
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Täglich drei Stunden Zugang für humanitäre Hilfe – Aleppos Ärzte bitten Obama um Hilfe

Damaskus/Moskau – Das russische Militär hat eine tägliche dreistündige Feuerpause rund um die umkämpfte syrische Großstadt Aleppo angekündigt. Um den Zugang von humanitärer Hilfe in die Stadt zu ermöglichen, würden die russischen Streitkräfte ab Donnerstag täglich von 10.00 Uhr bis 13.00 Uhr Ortszeit (09.00 Uhr bis 12.00 Uhr MESZ) jeglichen Beschuss unterbrechen. Dies teilte das russische Verteidigungsministerium am Mittwoch in Moskau mit.

Der russische Vorschlag reicht nach Einschätzung von Uno-Nothilfekoordinator Stephen O'Brien nicht aus, um der Bevölkerung zu helfen. "Was könnte in drei Stunden erreicht werden?", sagte O'Brien am Mittwoch bei den Vereinten Nationen in New York. Nur ein kleiner Teil der Hilfe könnte die Betroffenen in dieser Zeit erreichen. Feuerpausen von mindestens 48 Stunden seien nötig, um Hilfsgüter auf Lastwagen zu laden, diese nach Aleppo zu transportieren und Menschen in Sicherheit zu bringen.

Appell von Ärzten in Aleppo

In einem verzweifelten Appell an US-Präsident Barack Obama haben Ärzte in Aleppo ein sofortiges Eingreifen der USA und einen Versorgungskorridor gefordert. "Uns helfen nun keine Tränen mehr, kein Mitleid und nicht einmal Gebete, wir benötigen Ihr Handeln", heißt es in dem Brief, der von 15 der 35 noch praktizierenden Ärzte in dem von Rebellen kontrollierten Osten Aleppos unterzeichnet wurde.

Ohne einen ständigen Versorgungskorridor werde sich der Hunger weiter ausbreiten, und die Vorräte der Krankenhäuser gingen vollends zu Ende, warnten die Ärzte. Sie schilderten dramatische Zustände in den Krankenhäusern der Stadt. "Was uns als Ärzte am meisten schmerzt, ist, dass wir Entscheidungen darüber treffen müssen, wer weiterleben soll und wer stirbt", heißt es in dem Brief. "Manchmal werden kleine Kinder bei uns eingeliefert, die so schwere Verletzungen haben, dass wir jene vorziehen müssen, die bessere Überlebenschancen haben."

"Einfluss nutzen"

In ihrem Brief an Obama beklagten die Ärzte, sie hätten "keine Bemühungen seitens der USA gesehen, die Belagerung aufzuheben oder ihren Einfluss zu nutzen, die Kampfparteien zum Schutz von Zivilisten zu bewegen". Sie appellierten an den Präsidenten: "Zeigen Sie, dass Sie ein Freund des syrischen Volkes sind!"

Die Armee des syrischen Präsidenten Bashar Al-Assad hält mit russischer Hilfe im Ostteil der Stadt Aleppo bis zu 300.000 Zivilisten und mehrere tausend bewaffnete Regimegegner eingekesselt. Dort droht nach Einschätzung von Hilfsorganisationen eine humanitäre Katastrophe. (APA, AFP, 10.8.2016)

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