Norbert Steger: Blauer Alleinspieler im ORF-Stiftungsrat

Kopf des Tages10. August 2016, 17:44
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Der Gremienvertreter spricht von Neuwahlen und einem neuen ORF-Gesetz

Sein Faible für Basketball soll Norbert Steger schon einmal als Pfand einsetzen, um Wünsche im ORF zu deponieren. Der aktuelle FP-Stiftungsrat und ehemalige Präsident der Basketball-Bundesliga möchte mehr Basketball im Programm des ORF. Seiner Tochter Petra, FP-Nationalratsabgeordnete, Moderatorin bei FPÖ-TV und Basketballerin, würde das wohl gefallen.

Vielen hat hingegen am Dienstag Stegers Aussage vor der Wahl des ORF-Chefs missfallen. Er wähle nur einen ORF-Generaldirektor auf Zeit, sagte er, weil es ohnehin bald Neuwahlen und danach ein neues ORF-Gesetz unter FP-Regierungsbeteiligung geben werde. Die FPÖ habe ihn bereits mit der Ausarbeitung eines solchen beauftragt.

Wie ein neues Gesetz unter Federführung der FPÖ aussehen könnte, deutete FP-Generalsekretär Herbert Kickl später an, indem er wetterte, was er nicht wolle. Die "schwere inhaltliche Schlagseite nach links" im ORF sei kaum noch von "offener Agitation" zu unterscheiden. Den rechten Rahmen dafür soll nun Steger schnitzen.

Der 72-jährige Wiener stand freilich nicht immer so hoch im Kurs seiner Partei. Als er 1986 als FP-Chef und Vizekanzler am Zenit seiner politischen Macht war, stürzte ihn, den "Liberalen" in der FPÖ, Jörg Haider vom Thron. 1987 verließ der promovierte Jurist deshalb die Politik, um als Anwalt zu arbeiten. Aus Protest gegen den stramm rechten Haider trat er sogar aus der Partei aus, um sich Jahre später, 2008, vom stramm rechten Heinz-Christian Strache ein Ticket als FP-Stiftungsrat im ORF geben zu lassen.

Auf die Wiederannäherung an seine Partei folgte aber schon bald der Liebesentzug, als Steger bei der ORF-Wahl 2011 für Alexander Wrabetz stimmte – entgegen der Parteilinie. Strache hatte Steger am Tag der Wahl vergebens mit sechs SMS daran "erinnert", nicht für Wrabetz zu votieren. Ablösen konnte ihn die FP-Spitze nach seinem Alleingang aber nicht. Stiftungsräte sind nicht den Parteien verpflichtet, sondern nur dem ORF – leider kaum in der Praxis, aber eigentlich per Gesetz.

Am Dienstag stimmte Steger für Richard Grasl als ORF-Chef. Dem Vernehmen nach soll dafür im Gegenzug der Name Thomas Prantner gefallen sein. In Grasls Konzept hätte der jetzige ORF-Onlinechef gute Chancen gehabt, Onlinedirektor zu werden. Eine Position, die Wrabetz nicht vorsieht.

Steger, der betont, nichts mehr werden zu müssen, könnte es egal sein. Geht der FPÖ-Plan auf, wird der ORF ohnehin umgekrempelt. (Oliver Mark, 10.8.2016)

  • Droht dem ORF mit einem neuen Gesetz: FP-Stiftungsrat Steger.
    foto: standard / corn

    Droht dem ORF mit einem neuen Gesetz: FP-Stiftungsrat Steger.

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