Dan Perjovschi: Kritik mit Filzstift und historische Karikaturen

10. August 2016, 17:02
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Der rumänische Künstler nutzt die renovierten weißen Wände des Rupertinums als Leinwand

Salzburg – Die Grenzen der Satire wurden auch schon im 18. Jahrhundert ausgereizt. Kunst und Karikaturen sind und waren ein begehrtes Instrumentarium der Gesellschaftskritik. Im jüngst renovierten Rupertinum in Salzburg widmet sich die Ausstellung Bildwitz und Zeitkritik der Geschichte der Karikatur, gepaart mit aktueller Aktionskunst, einer Installation des rumänischen Künstlers Dan Perjovschi.

Die frisch gestrichenen weißen Wände im Atrium des Rupertinums nutzte Perjovschi als Leinwand für seine gesellschaftskritischen Kommentare mit dickem schwarzem Filzstift. Die pointierten Zeichnungen, Sprüche und Wortspiele sind im ganzen Haus verteilt. "CR ISIS" prangt etwa über einer Zeichnung von einem Menschen, der ein Kind huckepack trägt und einem, der eine Bombe am Rücken trägt. Das eine Realität, das andere die Angst. Aktuelle politische Themen greift Perjovschi in seinen zeichnerischen Interventionen auf. Die Wahlurne der Welt hat auf seiner Wandzeichnung einen Schlitz, die Urne aus Österreich zwei. Die Weltkugel bekommt zwei Pistolen in einem Halfter umgelegt, darunter steht "Trumputin".

Die gegenüber stattfindenden Festspiele thematisiert Perjovschi mit einem "Red Carpet", der zwischen "Rich" and "Other" trennt. Der rumänische Karikaturist nutzt auch die räumlichen Gegebenheiten für seine Illustrationen. Rund um einen Alarmknopf warnt der rumänische Künstler: "Trump, don't press the button".

Die bissigen, treffenden Kommentare stimmen nachdenklich und bringen einen auch oftmals zum Lachen. Schnell wieder übermalt sollen die Kunstwerke nicht werden. Ziel sei es, sie auch bei der kommenden Ausstellung noch zu behalten, sagte die Leiterin des Museums der Moderne Sabine Breitwieser. Ob das Museum die Skizzen kauft, ist unklar.

200 Werke – satirische Bilder, Karikaturen und Druckgrafiken von Künstlern wie George Grosz, Francisco de Goya, Honoré Daumier oder William Hogarth – sind über zwei Etagen bei der Ausstellung Bildwitz und Zeitkritik zu sehen.

Eigene Bestände ausgestellt

Die komplette Ausstellung konnte aus den Beständen des Museums der Moderne zusammengestellt werden. Darunter seien auch viele Werke, die noch nie gezeigt wurden, sagte Kuratorin Beatrice von Bormann. An den Wänden finden sich prominente Zyklen wie Goyas Los Proverbos, Otto Dix' Der Krieg, Karl Rössings Mein Vorurteil gegen diese Zeit, und auch ein Comic-Strip von Pablo Picasso ist Teil der Schau.

Bormann hat die Ausstellung in sieben Thematiken gegliedert, versehen mit Schlagwörtern wie Religion, Politik oder Torheit & Verführung und dergleichen. Dabei wiederholen sich die ausgestellten Künstler in den einzelnen Themenbereichen. Unter den Zyklen von Goya, Rössing oder Hogarth finden sich jeweils passende Bilder zu den Schlagwörtern Religion, Politik oder Kunstkritik. Danach wurden sie sortiert.

Dass die ausgestellten Künstler wegen ihrer Karikaturen und satirischen Bilder auch verurteilt wurden oder wie Daumier für seine Karikatur von König Louis-Philippe sechs Monate im Gefängnis saß, geht in der Schau freilich etwas unter. (Stefanie Ruep, 10.8.2016)

Rupertinum, bis 20.11.

  • Der rumänische Künstler Dan Perjovschi kommentiert mit schwarzem Filzstift aktuelle politische und gesellschaftskritische Themen.
    foto: rupertinum / pirje mykkänen

    Der rumänische Künstler Dan Perjovschi kommentiert mit schwarzem Filzstift aktuelle politische und gesellschaftskritische Themen.


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