US-Spezialeinheiten in Libyen

10. August 2016, 16:08
26 Postings

"Washington Post": Briten und Amerikaner am Kampf gegen IS-Miliz beteiligt

Sirte – US-Spezialkräfte haben einem Medienbericht zufolge erstmals direkte Unterstützung der libyschen Truppen in der Küstenstadt Sirte geleistet. Wie die "Washington Post" am Dienstag unter Berufung auf nicht genannte US-Regierungsvertreter berichtete, arbeiten die Kräfte in gemeinsamen Einsatzzentren am Stadtrand von Sirte.

Demnach helfen sie bei der Koordinierung der US-Luftangriffe im Kampf gegen IS-Jihadisten in Sirte und stellen ihren Verbündeten Geheimdienstmaterial zur Verfügung.

Der Zeitung zufolge arbeiten die US-Spezialkräfte an der Seite von britischen Truppen. Unter Berufung auf westliche Sicherheitsvertreter sowie auf Offiziere, die mit der libyschen Regierung verbündet sind, hieß es weiter, dass britisches und US-"Personal" in Tarnkleidung und Schutzwesten mehrfach in Sirte gesehen worden sei. Das Pentagon wollte sich konkret zu dem Bericht nicht äußern, hatte in der Vergangenheit aber bereits erklärt, dass "kleine US-Teams" zum Sammeln von Geheimdienstinformationen in Libyen im Einsatz seien.

Offensive seit Mai

Sirte wird seit Mitte 2015 von Kämpfern der Miliz "Islamischer Staat" (IS) beherrscht. Im Mai dieses Jahres begann eine Offensive zur Rückeroberung der Stadt. Auf Bitten der libyschen Regierung begannen die USA schließlich Anfang August mit Luftangriffen auf dortige IS-Stellungen.

Ministerpräsident Fayez al-Sarraj sagte nun der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" vom Mittwoch, Libyen brauche "keine ausländischen Truppen auf seinem Boden". Er habe lediglich um US-Luftunterstützung gebeten. Die Angriffe müssten präzis und in Absprache mit der Regierung erfolgen, sagte Sarraj weiter. Seine Soldaten kämen gut allein zurecht, sofern sie US-Unterstützung aus der Luft erhielten.

Kampfjet abgestürzt

Libysche Milizen, die gegen die Terrorgruppe IS kämpfen, haben nach eigenen Angaben den Kontakt zu einem ihrer Kampfjets verloren. Der Kontakt sei bei einem Einsatz über der IS-Hochburg Sirte abgebrochen, teilte ein Sprecher der Milizen mit, die mit der libyschen Einheitsregierung verbündet sind, die auch von den Vereinten Nationen unterstützt wird.

Der IS reklamierte hingegen über sein Sprachrohr Amaq im Internet den Abschuss eines Kampfflugzeugs über Sirte für sich.

Unterdessen forderten sechs westliche Länder, darunter Deutschland, dass die Kontrolle über die Ölanlagen in dem Krisenstaat "ohne Vorbedingungen oder Verzögerungen" wieder an die Behörden der anerkannten Einheitsregierung übergeben werden müsse. In einer gemeinsamen Erklärung riefen Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Großbritannien und die USA die Konfliktparteien dazu auf, die Energieinfrastruktur des Landes zu schützen. Die Länder bezogen sich vor allem auf Spannungen nahe der umkämpften wichtigen Ölanlage in der Küstenstadt Suwaitina.

Nach dem Sturz und dem Tod des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Zuge des Nato-Einsatzes im Jahr 2011 wurde das nordafrikanische Land ins Chaos gestürzt. Seitdem beherrschen verfeindete Milizen den Staat. Der IS nutzte die unübersichtliche Lage in Libyen, um sich dort auszubreiten. (APA, AFP, 10.8.2016)

  • Kämpfer der international anerkannten Regierung in Sirte.
    foto: reuters/goran tomasevic

    Kämpfer der international anerkannten Regierung in Sirte.

Share if you care.