Warum Österreich kein "Mehrweg-Hero" ist

11. August 2016, 06:00
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Das Umweltministerium will mit einem Preisausschreiben Mehrweggebinde pushen. Pfandflaschen gibt es mittlerweile fast nur beim Bier

Wien – Das Preisausschreiben, das das Umweltministerium derzeit initiiert hat, spiegelt die österreichische Realität nur mangelhaft wider. Da wird nämlich ein "Mehrweg-Hero" gesucht. Tatsächlich aber ist Österreich auf dem Weg zu "Mehrweg-Zero".

In jedem Lebensmittelgeschäft ist zu sehen, dass es immer mehr Kunststoffflaschen und anderes Einweggebinde gibt. Das hängt damit zusammen, dass das Ganze nur mehr auf freiwilliger Basis abläuft. Und für Abfüller und Handel das "Verkauft und weg" des Einwegs bequemer ist. Bei läppischen 22 Prozent liegt der Mehrweg, so der jährliche Wirtschaftskammer-Bericht.

Trocknen, sammeln, schicken

Das Umweltministerium will nun mit einem Preisausschreiben das Ruder herumreißen, schließlich macht "Mehrweg 30-mal weniger Müll als Einweg". Ein "Mehrweg-Hero" muss, wenn er den Hauptpreis in Form eines Kurzurlaubs in Tirol gewinnen will, möglichst viele Etiketten von den vorher gekauften Mehrwegflaschen herunterkletzeln, trocknen, sammeln und dann an das Ministerium schicken.

Blöd nur, dass es ein sehr jugendlich aussehender Hero ist, der von den Mehrwegflaschen die Etiketten sammeln und ans Ministerium schicken soll. Und blöd nur, dass die meisten Flaschen, für die es Mehrweg noch gibt, mit Bier abgefüllt sind. Die grüne Abgeordnete Christiane Brunner fordert in einer parlamentarischen Anfrage "Maßnahmen statt PR" gegen das Verschwinden der Pfandflasche. (Johanna Ruzicka, 11.8.2016)

  • Ein kindlicher "Mehrweg-Hero" soll zum Sammeln von Etiketten animieren – in erster Linie jenen von Bierflaschen.
    foto: bmlfuw

    Ein kindlicher "Mehrweg-Hero" soll zum Sammeln von Etiketten animieren – in erster Linie jenen von Bierflaschen.

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