Jede Stadt kocht ihr eigenes Süppchen im Schanigarten

11. August 2016, 09:00
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270 Schanigärten wurden heuer in Linz genehmigt – ein Rekord, über den man sich seitens der Stadt freut. In Wien bringt eine Gebührenerhöhung Unruhe

Linz/Wien – Während in Wien derzeit aufgrund der Neureglementierung für Schanigärten Unruhe herrscht, freut sich die Stadt Linz über Rekordzahlen für zum Essen und Trinken unter freiem Himmel genehmigte Flächen. Die "rege Schanigartenszene" begeistere Linzer und Gäste, zeigte sich Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ) am Mittwoch erfreut.

In der oberösterreichischen Landeshauptstadt gab es im Jahr 1980 nur fünf Schanigärten, elf Jahre später waren es 58, im Jahr 1998 fast dreimal so viele. Heuer wurden 270 Schanigärten angemeldet, davon befindet sich mehr als die Hälfte in der Innenstadt.

Bei den Straßen hat die Wiener Straße (34) die Nase vorn, aber auch in der Landstraße, der Altstadt und auf dem Hauptplatz befinden sich mehrere Schanigärten. Sie dürfen ganzjährig genutzt werden – ab 8 Uhr und von 1. Mai bis 30. September bis Mitternacht, sonst bis 23 Uhr.

Vor allem die FPÖ Linz hatte in der Vergangenheit darauf gepocht, die Genehmigung von Schanigärten für Wirte zu erleichtern. FP-Gemeinderätin Anita Neubauer zeigte sich am Mittwoch über die Rekordzahlen erfreut – meinte aber: "Man musste die Stadt schon sehr mit der Nase darauf stoßen, Erleichterungen einzuführen."

Kosten je nach Lage

Das Nutzungsentgelt ist lageabhängig gestaltet – nach Informationen des Bürgermeisters reicht es von 17,80 Euro bis zu 29,60 Euro pro Quadratmeter für die ganze Saison. Der Linzer Höchstpreis gilt für Fußgängerzonen, die Landstraße und die Hauptstraße. Im Vorjahr erzielte die Stadt Einnahmen von zirka 115.000 Euro.

In Wien nahm die Stadt zuletzt rund eine Million Euro ein. In der Bundeshauptstadt soll noch heuer die Winteröffnung für Schanigärten kommen. Mit ihr gehen allerdings eine Tariferhöhung und die Staffelung in neue Zonen einher. Zone eins liegt rund um von Touristen stark besuchte Orte wie die Kärntner Straße oder die Mariahilfer Straße, wo 20 Euro pro Quadratmeter monatlich anfallen. Bisher waren es in bester Lage 7,50 Euro.

In Zone zwei, ausgewählte Geschäftsstraßen oder der Ring, sind zehn Euro festgelegt, im restlichen Stadtgebiet zwei Euro. Bisher kostete ein Garten in dieser Zone zwischen ein und fünf Euro pro Quadratmeter. Begründet hatte Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ) die Erhöhung damit, dass der öffentliche Raum ein "kostbares Gut" sei. Dies sieht die Arbeiterkammer Wien durch die Tariferhöhung bestätigt und pocht darauf, dass "eingezogene Linien nicht verwässert werden", sagt der Leiter der Abteilung Kommunalpolitik, Thomas Ritt.

Kritik an Erhöhung in Wien

Die Wiener Wirtschaftskammer (WKO) betont hingegen, dass die Schanigärten auch Lebensqualität und "lebendigen" Raum schaffen würden. Sie machen "einen wichtigen Teil des weltbekannten Wiener Flairs aus", sagt Peter Dobcak von der Fachgruppe Gastronomie in der WKO Wien. Im Vorjahr haben wienweit 2.755 Wirte um Gastgartenbewilligungen angesucht, die meisten davon mit 525 im Bezirk Innere Stadt.

Da sich im Sommer das Geschäft nach draußen verlagere, sei eine Erhöhung "nicht tragbar". Die WKO rechnet vor: In Zone eins würde die Tariferhöhung bedeuten, dass ein Wirt mit einem 100 Quadratmeter großen Schanigarten im Sommer im Monat etwa 1.320 Tassen Melange um 4,60 Euro mehr verkaufen müsste. "Es war uns ein Anliegen, einen guten und fairen Kompromiss zu finden", heißt es aus dem Büro Brauner. Die Bezirke hätten teilweise noch höhere Tarife eingefordert.

Zonensystem auch in Graz

Mehrere Zonen gibt es auch in Graz. Die steirische Hauptstadt hat gleich vier davon: Rund um die Herrengasse werden 12,91 Euro fällig, auf dem Jakomini- und dem Südtiroler Platz 9,68 Euro. Zwischen Schlossberg und Augartenbrücke kostet ein Quadratmeter 6,46 Euro. Im Rest von Graz müssen nur 3,23 Euro gezahlt werden.

Günstige Tarife in Salzburg ...

Vergleichsweise günstig sind Schanigärten für Wirte in der Stadt Salzburg: In Zone eins – der Altstadt – kostet nach Angaben der zuständigen Magistratsabteilung der Quadratmeter 3,86 Euro im Monat. Außerhalb der Altstadt sind es 1,98 Euro – wobei in beiden Fällen mindestens 23,63 Euro kassiert werden.

... sowie in der Stadt St. Pölten

In Sankt Pölten gibt es 49 Schanigärten auf öffentlichen Flächen, 40 in der Innenstadt. Für alle gilt das gleiche Tarifsystem: 15 Euro je angefangener zehn Quadratmeter in Fußgängerzonen und auf abgabepflichtigen Parkflächen, fünf Euro auf sonstigen Flächen. (Oona Kroisleitner Gudrun Springer, 11.8.2016)

  • Der Wiener Yppenplatz fällt in Zone drei. Hier müssen Schanigartenbetreiber zwei Euro pro Quadratmeter und Monat zahlen.
    foto: heribert corn

    Der Wiener Yppenplatz fällt in Zone drei. Hier müssen Schanigartenbetreiber zwei Euro pro Quadratmeter und Monat zahlen.

  • Graz ist gar in vier Zonen aufgeteilt (siehe Plan). In der Stadt Salzburg gelten zwei Zonen.
    foto: stadt graz straßenvermessung

    Graz ist gar in vier Zonen aufgeteilt (siehe Plan). In der Stadt Salzburg gelten zwei Zonen.

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