Zugangsbeschränkungen in Informatik für Kern "nicht akzeptabel"

10. August 2016, 13:53
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Bundeskanzler will über Dotierung der Studienzweige verhandeln, die "Wettbewerbsfähigkeit ausmachen"

Wien – Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) hält Zugangbeschränkungen an der Technischen Universität (TU) Wien für "nicht akzeptabel". Wie er am Mittwoch im Ö1-"Mittagsjournal" sagte, seien die seit heuer neuen Aufnahmeverfahren "aus Sicht der Universitätsautonomie und unter begrenzten Mitteln möglicherweise ein richtiger Vorgang", aber er sei "nicht glücklich über diese Entscheidung". Schließlich braucht die Wirtschaft angesichts der fortschreitenden Digitalisierung mehr Informatiker.

Freilich darf die TU Wien bereits seit 2013 Aufnahmeverfahren in Informatik durchführen. Damals hat die Bundesregierung Zugangsbeschränkungen in den Studienfeldern Architektur, Biologie, Informatik, Pharmazie und Wirtschaft ermöglicht. Die TU hatte sich damals aber dagegen entschieden, da die vorgesehen Anfängerplätze ohnehin unrealistisch seien. Stattdessen wurden Knock-out-Prüfungen während der Studieneingangs- und Orientierungsphase durchgeführt, um die Anfängerzahlen zu minimieren.

Anfängerplätze halbiert

Ab dem Wintersemester 2016/17 gibt es nun auch an der TU Wien ein Aufnahmeverfahren. Der Grund: Das Wissenschaftsministerium reduzierte die erlaubten Plätze für Studienanfänger auf die Hälfte: von 980 auf 581 pro Studienjahr. Das entspreche "schon eher" den Kapazitäten der Uni, sagte damals der Vizerektor für Lehre, Kurt Matyas. Die Uni hofft auf kürzere Studienzeiten und mehr prüfungsaktive Studierende.

Bisher gab es in Informatik nur an der Uni Innsbruck ein Aufnahmeverfahren, neben der TU Wien startet startet in diesem Studienjahr auch die Uni Wien mit einem Test. Wer dort keinen Studienplatz bekommt, kann an die Unis Salzburg, Klagenfurt und Linz bzw. die TU Graz wechseln. Dort sind die Informatikstudien nach wie vor nicht beschränkt.

Wissenschaftsministerium verweist auf FHs

Kern will nun mit Wissenschaftsminister und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) darüber verhandeln, wie jene Studienzweige, die "in Zukunft die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes ausmachen werden", ausreichend dotiert werden können.

Aus dem Wissenschaftsministerium heißt es in einer Stellungnahme, dass die Ausbildung für "Mint"-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) nicht ausschließlich an Universitäten durchgeführt werden müsse. So werde mit Geldern aus der Bankenabgabe der Fachhochschulbereich in diesen Fächern mit 100 Millionen Euro ausgebaut. Für stark überlaufenen Fächer habe man an den Universitäten Zugangsregelungen, in Kombination mit zusätzlichem Lehrpersonal eingeführt, um die Betreuungsrelation zu verbessern. (koli, 10.8.2016)

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