Brasilien vs. Argentinien: Feindschaft macht Sorgen

10. August 2016, 12:49
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Tennisspieler Del Potro nach Schlägerei auf der Tribüne: "Das ist doch kein Fußball hier" – Aber nicht nur beim Tennis geht es rund

Rio de Janeiro – Schlägerei im Tennisstadion, Schmähgesänge in den Arenen. Brasilien und Argentinien verbindet eine lange Rivalität, aber solche Konflikte kannte man bisher nur vom Fußball. Nun werden sie auch bei den Olympischen Spielen ausgetragen.

Während des Matches im Tennisstadion zwischen dem Argentinier Juan Martin del Potro und dem Portugiesen Joao Sousa gerieten ein Fan im Brasilien-Trikot und ein Mann mit Argentinien-Hemd auf der Tribüne aneinander. Sie schlugen sich wie beim Boxen, Soldaten mussten eingreifen. "Wir brauchen Frieden zwischen Argentinien und Brasilien, das ist doch kein Fußball hier", meinte Del Potro nach dem Sieg.

Anfeindungen bei Volleyball und Basketball

In der Volleyballarena verhöhnten Argentinier mit Gesängen Brasilien, beim Fußballspiel Argentinien gegen Algerien riefen brasilianische Zuschauer "Chile, Chile" – eine Anspielung auf zwei Finalpleiten des Erzrivalen hintereinander gegen Chile bei der Copa America. Nach der letzten vor ein paar Wochen erklärte Lionel Messi entnervt seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft.

Beim Match der Basketballer Argentiniens gegen Nigeria wurde wiederum Brasilien verhöhnt. "Für mich ist es eine Dummheit, gegen eine Mannschaft zu singen, die gar nicht auf dem Parkett steht", meinte Argentiniens Kapitän Luis Scola.

Das Organisationskomitee der Rio-Spiele appellierte, friedlich zu bleiben: "Die Rivalität existiert nur auf dem Platz". Vielleicht sind die Argentinier auch etwas neidisch, dass ausgerechnet der große Rivale die ersten Olympische Spiele in Südamerika ausrichten darf.

Direkte Begegnung am Samstag

Sorgen bereitet nun vor allem das Basketballspiel Brasilien gegen Argentinien am Samstag, eine der wenigen direkten Begegnungen der beiden so unterschiedlichen Nachbarstaaten. Der eine von Portugiesen und hierhin verschleppten Sklaven geprägt, der andere von den Spaniern und der Einwanderung aus Europa. Sogar die Regierungen sind bemüht, Aggressionen mit Appellen Einhalt zu gebieten – die Sport-Staatssekretäre vereinbarten ein Sondertreffen in Rio.

Argentiniens Volleyball-Nationalspieler Facundo Conte mahnte an die Adresse der zahlreich angereisten Fans: "Fußball ist Fußball. Die Weltmeisterschaft ist vorbei, das hier sind die Olympischen Spiele." Die Argentinier sollten für Argentinien singen und nicht gegen irgendjemanden.

Übrigens gibt es jenseits dieses Konflikts auch eine Olympia-Teilnehmerin, die von den Brasilianern bei jedem Ballkontakt hämische Gesänge zu hören bekommt. US-Torhüterin Hope Solo hatte vor Olympia die Zika-Gefahren in Rio aus Sicht der Olympia-Gastgeber dramatisiert. So twitterte sie ein Bild von sich mit einer Moskito-Schutzmaske über dem Kopf. In den Stadien sangen die Fans nun bei jeder Ballberührung von Hope: "Ole, ole, Ole, Zika, Zika." (APA. 10.8.2016)

  • Sieht man auch nicht jeden Tag: eine Reiberei beim Tennis.
    foto: apa/afp/bernetti

    Sieht man auch nicht jeden Tag: eine Reiberei beim Tennis.

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