Warum Anleger Disney verschmähen

10. August 2016, 11:25
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Der US-Unterhaltungsriese schwimmt dank Filmkassenschlagern auf einer Erfolgswelle. An der Börse bleibt er ein Sorgenkind

Burbank – Mit Kinohits wie "Captain America" oder "Dschungelbuch" und der ersten Disneyland-Eröffnung in China hätte es eigentlich Disney's großer Sommer sein sollen. Es kam anders – das Kabelgeschäft bleibt schwierig, wie die jüngsten Quartalszahlen zeigen. Nach einer tödlichen Alligator-Attacke auf einen Bub in einem Vergnügungspark drohen Image-Schäden. An der Börse ist der Konzern längst Sorgenkind.

Als "den glücklichsten Platz der Welt" beschreibt Disney seine Themenparks. Am 14. Juni aber kam es in einem der Resorts in Florida zu einer schrecklichen Tragödie – ein Alligator griff einen zweijährigen Bub am Ufer einer Hotelanlage in Orlando an und zog ihn unter Wasser. Das Kind starb an den Folgen der Attacke. "Alle hier sind am Boden zerstört durch diesen tragischen Unfall", teilte Disney mit. Alligatoren sind in Florida zwar verbreitet, Angriffe auf Menschen aber sehr selten.

Der Strand, an dem der Bursche im seichten Wasser spielte und der zu einer mit dem Vergnügungspark verbundenen Hotelanlage gehört, ist zwar nicht zum Baden vorgesehen. Das machen "Nicht Schwimmen"-Schilder auch deutlich. Dennoch musste sich Disney Kritik gefallen lassen, dass dort keine Zäune stehen. Inzwischen hat der Konzern angekündigt, eine Mauer hochzuziehen. Die Familie des Kindes hat bereits erklärt, Disney nicht verklagen zu wollen.

"Marke leidet"

Der Schaden dürfte sich für Disney aber nicht mehr abwenden lassen, meinen Experten. "Ich glaube, dass die Marke langfristig darunter leiden wird", sagte Karen Kreamer von der Marketingfirma K2 Brand Consulting der Zeitung "New York Daily News". Kreamer rechnet nicht damit, dass die Tragödie sich sofort in den Finanzergebnissen niederschlägt. Aber es werde dauern, bis sich das Image der eigentlich als Familien-Paradies geltenden Parks erholt.

An der Börse hat der Unterhaltungsgigant ohnehin schon länger keinen guten Stand. Obwohl der riesige Erfolg des jüngsten "Star Wars"-Films "Das Erwachen der Macht" dem Konzern zu Jahresbeginn einen Rekordgewinn beschert und ihn zur stärksten Marke der Welt gemacht hat, wird die Aktie von Anlegern verschmäht. Auf Jahressicht liegt der Kurs mit 13,5 Prozent im Minus, in den letzten drei Monaten ist er um neun Prozent gesunken. Der Grund liegt vor allem in der Kabelsparte um den angeschlagenen Sportsender ESPN.

Trudelnde Mediensparte

Nicht einmal überraschend starke Quartalszahlen, die Disney am Dienstag nach US-Börsenschluss vorlegte, konnten die Anleger beschwichtigen. Dabei hat der Konzern Einnahmen und Gewinn dank erfolgreicher Hollywood-Filme wie "Captain America 3: Civil War" erheblich gesteigert. Der Umsatz legte von April bis Juni verglichen mit dem Vorjahreswert um neun Prozent auf 14,2 Milliarden Dollar (12,8 Mrd Euro) zu. Der Überschuss kletterte um fünf Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar. Dennoch drehte die Aktie nachbörslich ins Minus.

Denn die wichtigste Geldquelle ist nicht etwa das Hollywood-Geschäft, sondern die breite Mediensparte mit ABC als Flaggschiff, den diversen Disney-Kanälen und dem kriselnden Sportsender ESPN. Hier gibt es schon länger Probleme, im abgelaufenen Quartal sanken die Abozahlen weiter. Der Abwärtstrend dürfte schwer zu bremsen sein, da zunehmend Kunden ins Internet abwandern. Dass Disney regelmäßig Blockbuster wie "Star Wars" oder "Captain America" liefern kann, bezweifeln Marktbeobachter. Deshalb liegt der Fokus eher auf den Schwierigkeiten im TV-Geschäft, die den Geschäftsausblick deutlich trüben. (APA, 10.8.2016)

  • Sogar für den Unterhaltungskonzern gilt: Die Börse ist weder Märchchen- noch Disneyland.
    foto: apa/afp/thomas samson

    Sogar für den Unterhaltungskonzern gilt: Die Börse ist weder Märchchen- noch Disneyland.

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