Alt-Wien-Kindergärten: Schon einige Hundert Kinder umgemeldet

10. August 2016, 11:07
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Insgesamt sind knapp 2.300 Kinder betroffen. Private Träger zeigen sich in Sachen Standortübernahmen sehr zurückhaltend

Wien – Nach der gescheiterten Rettung sperren mit Ende August aller Voraussicht nach alle 33 Alt-Wien-Kindergärten zu. Eltern müssen bis dahin einen neuen Platz für ihre Sprösslinge finden. Inzwischen sind schon einige hundert Kinder in anderen Einrichtungen untergekommen, wie ein APA-Rundruf ergab. Was die Übernahme von Alt-Wien-Standorten betrifft, zeigen sich Betreiber aber vorerst zurückhaltend.

Allein in den städtischen Einrichtungen habe man bereits knapp 250 Plätze an Alt-Wien-Kinder vergeben, sagte Daniela Cochlar, Leiterin der für Kindergärten zuständigen MA 10, auf Anfrage der APA. Die Stadt hatte am Wochenende mitgeteilt, dass rund 1.900 öffentliche Plätze zur Verfügung stünden.

Noch viele Ummeldungen erwartet

Cochlar erwartet, dass gegen Ende der Schulferien noch viele Ummeldungen erfolgen. Denn derzeit seien wohl noch viele Familien auf Urlaub. Die MA-10-Chefin betonte auch, dass berufstätige Eltern bei der Vergabe von Hortplätzen vorgereiht würden. Die Servicestellen hätten weiterhin ausgeweitete Öffnungszeiten.

Bei den Kinderfreunden, dem größten privaten Träger, verzeichnet man bis dato 70 fixe Anmeldungen. Darüber hinaus hätten rund 130 Alt-Wien-Familien bereits starkes Interesse bekundet. "Die haben sich schon einen konkreten Standort angesehen und sind mit der jeweiligen Leitung in Kontakt", berichtete eine Sprecherin. Man habe für alle Altersgruppen noch Kapazitäten, wurde versichert.

Infoabend bei Kinderfreunden

Die Kinderfreunde halten am Donnerstag zudem einen Infoabend ab, um ihr pädagogisches Konzept vorzustellen und eventuell gleich Anmeldemodalitäten zu besprechen. Die Veranstaltung findet am 11. 8. im Indoor-Spielplatz Albert-Sever-Saal (Schuhmeierplatz 17–18, 1160 Wien) statt und beginnt um 18.30 Uhr.

Der Verein Kinder in Wien hat bisher rund 50 Anmeldungen registriert, sagte Geschäftsführerin Monika Riha der APA. Gut 80 Standorte betreibt die Organisation in der Bundeshauptstadt. Bei der St.-Nikolaus-Stiftung der Erzdiözese Wien wurde inzwischen etwa ein Viertel der noch verfügbaren 210 Plätze vergeben. "Wir haben knapp 50 Anmeldungen", so eine Sprecherin. Viel Kapazitäten habe man noch an Standorten im 7., 10., 11., 15. und 16. Bezirk – vorrangig für Buben und Mädchen ab drei Jahren.

Zurückhaltend bei Übernahmen

Was die etwaige Übernahme von Alt-Wien-Standorten betrifft, zeigten sich die privaten Träger sehr zurückhaltend. Lediglich die St.-Nikolaus-Stiftung hat "allgemeines Interesse" bekundet und dies dem – von der Stadt mit einem Förderstopp belegten – Vereinsverantwortlichen Richard Wenzel mitgeteilt. Man warte nun auf eine Antwort, meinte die Sprecherin. Bei den Kinderfreunden wie auch bei "Kinder in Wien" hieß es, dass sich die Frage einer Übernahme derzeit nicht stelle, da noch keinerlei klare Informationen über die Eigentums- oder Mietverhältnisse vorlägen und außerdem nicht klar sei, welches Ziel Wenzel eigentlich verfolge.

MA-10-Leiterin Cochlar sicherte jedenfalls zu, dass – sollte es konkrete Übernahmepläne von Privaten geben – die Stadt die Förderanträge so schnell wie möglich bearbeiten werde. Wichtig sei allerdings schon, dass alle nötigen Voraussetzungen für eine Förderung vorlägen bzw. alle Unterlagen übermittelt würden.

Stadt fordert 6,6 Millionen Euro zurück

Die Stadt hatte in der Vorwoche endgültig einen Schlussstrich unter den Nervenkrieg um die 33 Alt-Wien-Kindergärten mit 2.276 Kindern gezogen. Sie forderte von Wenzel 6,6 Millionen Euro an – laut MA 10 zweckwidrig verwendeten – Förderungen zurück und verlangte eine Bankgarantie für diese Summe sowie die Neubesetzung des Vereinsvorstands und die Nachreichung der Jahresabrechnung für 2015.

Alle Forderungen waren bei Ablauf der Frist nicht erfüllt, weshalb ab Ende August kein Geld mehr von der Stadt fließt. Wenzel hatte angekündigt, alle Kindergärten insofern mit Monatsende zu schließen.

300 Mitarbeiter betroffen

Betroffen davon sind auch gut 300 Mitarbeiter. Erika Schmidt von der Gewerkschaft GPA-djp sagte der APA, dass die Jobchancen für die Pädagogen recht gut seien. Für die andere Hälfte der Mitarbeiter – Kindergartenassistenten und Helfer – werde es schwieriger. Man sei aber dabei, ein Programm zur "Aufqualifizierung" zu schaffen. Allgemein herrsche jedoch große Verunsicherung, weil keine konkreten Informationen über Wenzels Pläne vorlägen. (APA, 10.8.2016)

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