Viele Meerestiere passten sich bereits an die fortschreitende Ozeanversauerung an

10. August 2016, 09:00
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Aktuelle Untersuchung scheint auf neuartige Anpassungsmechanismen einiger Arten hinzudeuten

Der Meeresboden ist ein an kalkbildenden Spezies besonders reicher Lebensraum. Seeigel, Seesterne, Kalkalgen und viele Schalentiere wie Muscheln sind hier zu finden. Diese Organismen spielen für das Ökosystem Ozean etwa als Nahrungslieferant oder Kohlenstoffspeicher eine wichtige Rolle. Bereits heute nimmt der Ozean rund ein Viertel des vom Menschen ausgestoßenen Treibhausgases Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf – mit weitreichenden Folgen für die chemische Zusammensetzung des Meerwassers und die Lebenswelt vieler mariner Organismen. Nun zeigt sich aber, dass sich zahlreiche Arten bereits an die Versauerung der Meere angepasst haben dürften.

Löst sich Kohlendioxid (CO2) im Meer, verändern sich die chemischen Parameter. Der pH-Wert sinkt und das Wasser wird saurer. Die Ozeanversauerung gehört damit zu den wichtigsten Forschungsbereichen, wenn es um die Auswirkungen des CO2-Ausstoßes auf benthische, kalkbildende Meeresorganismen und den Lebensraum Ozean geht. Viele Organismen nehmen Magnesium für den Bau ihrer Kalkskelette auf. Sie gelten dabei als besonders anfällig für die Auswirkungen von saurer werdendem Meerwasser. Im Vergleich zu Kalzit oder Aragonit löst sich Magnesium in einer sauren Umgebung besonders schnell auf.

Leben in saurer Umgebung

Eine von internationalen Forschern durchgeführte Analyse der chemischen Lebensbedingungen der Organismen ergab jetzt, dass 24 Prozent und damit fast ein Viertel der untersuchten Arten bereits heute in einer Umgebung leben, die sich ungünstig auf den Erhalt ihres Kalkskelettes auswirkt. Dieser Zustand wird Kalziumkarbonat (CaCO3)-Untersättigung genannt. "Das Ergebnis hat uns mehr als überrascht und ist für uns ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sich viele marine Organismen sehr wohl im Laufe ihrer physiologischen und evolutionären Entwicklung an das saure Meerwasser anpassen und darin leben können", erklärt der Erstautor der Studie Mario Lebrato vom Institut für Geowissenschaften an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Offen ist die Frage, wie sich die übrigen 76 Prozent der Organismen, die sich noch nicht in saureren Bedingungen befinden, entwickeln werden, wenn die Folgen der Ozeanversauerung auch ihre Lebensräume erfassen. Weitere Aufschlüsse dazu erhoffen sich die Forscher von der Untersuchung von Schwellenwerten aus Zeiten, als sich das Ozeanwasser entsprechend veränderte und sich Organismen allmählich daran anpassen mussten. (red, 10.8.2016)

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