Bolt: "Deshalb lieben mich die Menschen"

9. August 2016, 17:52
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Der jamaikanische Sprinterkönig Usain Bolt macht sich warm für seine letzten Spiele

Rio de Janeiro – Usain Bolt, weiß Usain Bolt, wird allgemein ziemlich gemocht. Und er weiß auch, warum. "Ich bin ein Sprinter, aber auch ein Entertainer", erläutert sich der Jamaikaner, "ich versuche eben, den Unterschied zu machen, und deshalb lieben mich die Leute."

Am kommenden Samstag startet der eine, der sportliche Sprint-Bolt in den Bewerb. Am vergangenen Montag schon hatte der andere Bolt, der vom Zirkus, seinen Auftritt bei einer Veranstaltung in der "Stadt der Künste" zu Rio, die, würde man sie anderswo "Pressekonferenz" nennen, ziemlichen Unmut hervorriefe. Bei Bolt animierte sie bloß einen skandinavischen Journalisten zu einem ehrerbietigen Rap. Den nahm Bolt huldvoll mit dem Handy auf.

Sonst durften auch ein paar Fragen gestellt werden aus der Menge der 400 Journalisten und etwa 70 Kamerateams. Zum Beispiel, wie es denn so gehe. "Alles in bester Ordnung. Ich bin bereit fürs Duell mit Justin Gatlin."

In Rio, das nicht zu vergessen, "fühle ich mich pudelwohl". Allerdings: "Allerdings ist es im olympischen Dorf ein bisschen langweilig. Ich musste mir einen Fernseher kaufen." Eine so beachtenswerte Pressekonferenz will ja nicht nur abgehalten, sondern auch angeschaut werden.

Der 29-jährige Usain Bolt hat neben der Show auch noch einen anderen Programmpunkt zu absolvieren: Er geht los aufs Triple-Triple der Sprinter; möchte als Erster dreimal en suite Gold holen über die 100, die 200 und die Vier-mal-100-Meter-Staffel. Es wäre wohl ein Rekord für die Ewigkeit.

Immer schneller

Die Vorzeichen dafür stehen heuer nicht unbedingt günstig. "Es war", gibt er zu, "keine perfekte Saison, aber ich bin besser in Form als letztes Jahr." Da rannte er bei der WM 2015 in Peking nach einer holprigen Vorbereitung alle in Grund und Boden.

Auch diesmal zweifelt man (oder tappt in die Zweifelsfalle). Nach einer Muskelverletzung im Juli hat er noch nicht wieder richtig Tempo aufgenommen. Mit 9,88 Sekunden liegt er nur auf Platz vier der einschlägigen Weltrangliste in diesem Jahr. Die Nummer eins bisher ist sein Herausforderer Justin Gatlin mit 9,80 Sekunden. Doch Bolt bleibt gelassen: "Ich habe gut trainiert und werde immer schneller."

Justin Gatlin, der US-Amerikaner, ist übrigens als wiederholter Dopingsünder aufgefallen. Ihm attestierte man Resozialisierungschancen, weshalb die ursprünglich angedachte lebenslange in eine erst acht-, dann vierjährige Sperre sich verwandeln durfte.

Was aus der von Dopingskandalen und Korruptionsaffären gebeutelten Leichtathletik werden solle, wenn der König abdankt, wurde Bolt dann auch noch gefragt. Als ob gerade er das wissen könnte. Man sei auf dem "richtigen Weg" und "sortiere die Schlechten" aus. Manchmal müsse man eben "durch harte Zeiten gehen, um die guten zu bekommen".

Am letzten Tag der Spiele zu Rio wird Bolt 30 Jahre alt. Er wird dann – vorbehaltlich einer allfälligen Sinnesänderung – Abschied von Olympia nehmen. "Ich habe genug getan, habe mich bewiesen, immer und immer wieder."

Aber was werden dann die Leute sagen? "Ich weiß, die Leute sind traurig, aber so ist es. Das werden meine letzten Spiele." (sid, red, 9.8.2016)

  • Die Sambatänzerin im reichen Federkleid tanzt mit König Bolt durch eine "Pressekonferenz".
    foto: reuters/nacho doce

    Die Sambatänzerin im reichen Federkleid tanzt mit König Bolt durch eine "Pressekonferenz".

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