Herr Sailer

9. August 2016, 17:46
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Alois Sailer fährt jeden Tag mit der Seilbahn zur Arbeit. Nicht mit irgendeiner Seilbahn, sondern mit jener, die auf den Zuckerhut führt. Oben, auf dem Gipfel, hat die Juwelierkette "Amsterdam Sauer" ihre wohl exklusivste Filiale, und hier hat Herr Sailer, der Geschäftsführer, seit mehr als 15 Jahren seinen Arbeitsplatz. 1996 war der Steirer, damals Sozialarbeiter, für ein Projekt nach Rio de Janeiro gekommen, und als das Projekt abgeschlossen war, blieb er da. Über einen Landsmann aus Krems kam er Ende der 90er zu Sauer, einem 1941 von einem eingewanderten Franzosen gegründeten Unternehmen, das sich bald auf Juwelen mit natürlichen Edelsteinen spezialisierte.

Nicht nur seines Arbeitsplatzes wegen ist Alois Sailer gern in Rio zu Hause. Er hat eine Brasilianerin geheiratet, sie haben einen fast erwachsenen Sohn. Was Sailer an Rio stört, sind die Kriminalität und der Schmutz. Seinerzeit ist der große Schriftsteller und Wahlbrasilianer Stefan Zweig noch so richtig ins Schwärmen geraten. "Nachts mit ihren Millionen Sternen und Lichtern, tags mit ihren hellen und grellen, ihren heißen und explodierenden Farben, in der Dämmerung mit ihrem leisen Nebel und Wolkenspiel, in ihrer duftenden Schwüle und in ihrem tropischen Wetterguss, immer ist diese Stadt zauberhaft." Doch das ist auch schon gut 75 Jahre her.

Seiner Familie zuliebe wird Sailer in Rio bleiben, denn die Frau und den Sohn zieht es nicht wirklich nach Österreich. Ihn allein würde es schon ziehen, er ist immer wieder gerne in Graz, dort trifft er alte Freunde auf einen Kaffee, oder er hält einfach nur die Nase in den Wind. "Denn die Heimat", sagt Alois Sailer, "hat einen ganz eigenen Duft." (Fritz Neumann, 9.8. 2016)

  • Alois Sailers Arbeitsplatz ist auf dem Zuckerhut.
    foto: fritz neumann

    Alois Sailers Arbeitsplatz ist auf dem Zuckerhut.

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