ÖVP-"Freundeskreis"-Leiter Zach sieht Chance auf Reform verpasst

9. August 2016, 17:11
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Zentralbetriebsrat Moser ortete in Grasl-Konzept Widersprüche und Eingriff in sozialpartnerschaftliche Gefüge – Wrabetz will einen der Radio-Channel Manager auch zum Radiodirektor machen

Wien – ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz zeigte sich am Dienstag in einer ersten Reaktion nach seiner Wiederbestellung erfreut, dass der ORF-Stiftungsrat seine Amtsgeschäfte bestätigt habe. "Es ist eine große Freude, dieses fantastische Unternehmen weitere fünf Jahre führen zu dürfen", sagte Wrabetz vor Journalisten im ORF-Zentrum.

More of the same

Thomas Zach, Leiter des ÖVP-"Freundeskreises" im obersten ORF-Gremium gratulierte Wrabetz zur Wiederwahl, zugleich übte er Kritik am ORF-Chef. "Heute wurde die große Chance auf Erneuerung und Reformen verpasst. Wir bekommen mit der Verlängerung des amtierenden Generaldirektors more of the same. Für die Zukunft des ORF ist das nicht positiv. Das bessere Konzept und der überzeugendere Kandidat haben heute sehr knapp keine Mehrheit erreicht. Am Reformkurs von Grasl führt in der Sache trotzdem kein Weg vorbei. Der Ball liegt jetzt beim neu gewählten Generaldirektor", sagte Zach.

Pluralismus

NEOS-Stiftungsrat Hans Peter Haselsteiner begründete seine Entscheidung für Wrabetz damit, dass in seinem Konzept insgesamt sieben Manager für die Information zuständig seien. Dies gewähre ein gewisses Maß an Pluralismus. Darüber hinaus hält Haselsteiner die "Führungsspanne" bei Wrabetz für überschaubarer. Das Konzept Grasls sei an der "Grenze der Führbarkeit", so Haselsteiner.

ORF-Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser stimmte für Wrabetz, weil er dessen Bewerbung für überzeugender und zielführender hält. "Sowohl was die Zukunft des Unternehmens, seine dauerhafte Absicherung und seine zukünftige Aufstellung anbelangt, als auch was die Zukunft der Belegschaft betrifft: Keine Zertrümmerung bewährter Strukturen, keine Ausgliederungen, keine zwischen den Zeilen versteckten Sparpakete." In Grasls Konzept ortete Moser eine Reihe von Widersprüchen. Radiosender wie FM4 würden unnötig zur Debatte gestellt, Kaufmännische Direktion und Technik einfach aufgelöst. Dies hätte letztlich Personalabbau und einen massiven Eingriff in das bestehende sozialpartnerschaftliche Gefüge des ORF bedeutet, so Moser.

Moser bedauert Stindl-Enthaltung

Dass es nicht zur en bloc-Abstimmung durch den Betriebsrat kam und die unabhängige bürgerliche Belegschaftsvertreterin Gudrun Stindl sich der Stimme enthielt, bedauerte Moser. "Das hat trotz ausführlicher Gespräche nicht geklappt. Warum die Vorsitzende des Radiobetriebsrates mit Enthaltung abgestimmt hat, muss man sie selbst fragen. Ich weiß, sie hat es hier nicht leicht gehabt. Aber gerade bei so bedeutenden und letztlich auch knappen Entscheidungen sind Enthaltungen für mich jedenfalls kein probates Mittel." Moser will darüber noch im Zentralbetriebsrat reden. "Denn Unabhängigkeit, wie sie Stindl für sich reklamiert, kann ja wohl nicht bedeuten, dass man sich von wesentlichen Entscheidungen absentiert, sich also enthält."

Stindl selbst erklärte nach der Abstimmung, dass sie sich enthalten haben, "weil ich unabhängig bin und mich von keiner Partei vereinnahmen lassen wollte". Darüber hinaus habe sie Probleme mit dem Radio-Konzept von Wrabetz. Der ORF-Chef hat im Hearing offenbar angekündigt, dass er einen der Channel Manager von Ö1, Ö3 oder FM4 auch zum Radiodirektor machen möchte. "Das halte ich für problematisch", so Stindl. Das würde zu einem "Spannungsverhältnis" zwischen den Funktionen führen. (APA, 9.8.2016)

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