Alexander Wrabetz: Vifer Taktierer schreibt ORF-Geschichte

Kopf des Tages9. August 2016, 16:45
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Er ist der erste ORFler, der es schafft, dreimal en suite zum Generaldirektor gewählt zu werden. Ein Kunststück in der politischen ORF-Manege

Als er 2006 ORF-Generaldirektorin Monika Lindner vom Thron stieß, wurde er "Super-Alex" tituliert. Inthronisiert von einer Koalition aus Rot-Orange-Blau-Grün, produzierte Alexander Wrabetz nur wenige Monate nach seinem Amtsantritt seinen ersten veritablen Bauchfleck. Aus der "größten Programmreform" aller Zeiten blieben vor allem die Flops in Erinnerung: von der Sitcom "Mitten im Achten" über das Infotainmentmagazin "Wie bitte?" bis zum Talk "Extrazimmer" – alles gekübelt. Doch wäre er kein Stehaufmännchen, würde Wrabetz nicht zum ersten ORFler avancieren, der es schafft, dreimal en suite zum Generaldirektor gewählt zu werden. Ein Kunststück in der politischen ORF-Manege. Aufstehen musste Wrabetz in den vergangenen zwei Geschäftsführungsperioden oft, etwa dann, als ihn Exkanzler Werner Faymann (SP) ablösen wollte.

Zum Aufstehen gehört aber nicht selten Buckeln, was in einem politischen Machtgefüge wie dem ORF zum Geschäft gehört. Berühmt ist jenes Papier, das Wrabetz 2006 die Krönung zum ORF-Chef sicherte. Im Gegenzug für die Stimmen der BZÖ-Stiftungsräte versprach er Peter Westenthaler drei Direktorenposten.

Als Dank für seine Wiederwahl wollte er Ende 2011 den damals 25-jährigen Niko Pelinka zu seinem Bürochef machen. Pelinka hatte zuvor als "Freundeskreis"-Leiter der SPÖ-Stiftungsräte seine zweite Amtszeit orchestriert. Der Postenschacher ging nicht zuletzt aufgrund eines Proteststurms der ORF-Redakteure nicht durch.

Wrabetz wuchs in einem FPÖ-freundlichen Elternhaus in Wien-Döbling auf. In Berührung mit seinen zwei beruflichen Konstanten, dem ORF und der SPÖ, kam der heute 56-Jährige Anfang der 1980er-Jahre. Als freier Mitarbeiter heuerte er im Landesstudio Wien an, und während seines Jusstudiums engagierte er sich beim Verband Sozialistischer Studierender (VSStÖ), deren Vorsitzender er 1983 wurde. Nach dem Jusstudium richtete er den Vorzugsstimmenwahlkampf für Josef Cap aus – kein schlechter Mentor, wenn es um parteipolitische Spielchen und Machtpolitik geht.

Nach Stationen bei der ÖIAG und der Vamed wechselte Wrabetz 1998 als kaufmännischer Direktor zum ORF. Meriten als Zahlenjongleur hat er sich zuvor im Kuratorium des ORF erworben, dem Vorläufer des Stiftungsrats.

Dem dreifachen Vater Wrabetz wird nachgesagt, konfliktscheu zu sein. Im Duell um den ORF-Chefsessel mit seinem Kontrahenten Richard Grasl war er es definitiv nicht. (Oliver Mark, 9.8.2016)

  • Zum dritten Mal ORF-Chef: Alexander Wrabetz gelingt das Kunststück.
    foto: heribert corn

    Zum dritten Mal ORF-Chef: Alexander Wrabetz gelingt das Kunststück.

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