Pool-Party

11. August 2016, 16:14
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Gutgelaunte Partymenschen in nabelhohem körperwarmen Wasser

foto: apa/afp/jordan

Pro
von David Rennert

"David, bist du eigentlich für oder gegen Poolpartys?", werde ich neulich in der Redaktion gefragt. Für einen Moment lasse ich meinen von grellen Deckenlampen getrübten Blick an dreckigen Kaffeetassen und verdörrten Tischpflanzen vorbei über meinen PC-Bildschirm hinweggleiten, richte ihn hinaus durch das isolierte Fenster des Großraumbüros.

Draußen ziert die aufgedunsene Sonne einen tiefblauen Himmel, eisschleckende Kinder, biertrinkende Großmütter und hechelnde Hunde mit Kurzhaarfrisuren wälzen sich über den heißen Asphalt. Ich schließe die Augen.

Der Geruch von Chlor, der Geschmack von Mojitominze und das Gefühl nasser Brusthaare, die fast rhythmisch zu 90er-Jahre-Pop tropfen, verschmelzen in meiner Vorstellung zu einem einzigen Wohlgefühl.

Die Cocktails sind kalt, die gutgelaunten Partymenschen sehen aus wie in "Baywatch" und – ist hier gerade ein betrunkener Delfin vorbeigeschwommen? Ich öffne die Augen, die Kollegen blicken etwas besorgt drein. Natürlich bin ich für Poolpartys, kreische ich hysterisch. Nur war ich halt noch nie auf einer.

Kontra
von Karin Tzschentke

Vor kurzem las ich ein Buch, in dem der (deutsche) Autor Erinnerungen an Italien-Urlaube der 1980er-Jahre heraufbeschwört.

Besonders prickelnd ist die Stelle, an der der Protagonist beschreibt, wie die das italienische Stehklo boykottierenden Urlauber breitbeinig und mit bedächtigem Blick auf den Horizont hüfttief im Meer stehen und kurz darauf entspannt an den Strand zurückwaten.

Warum mir das beim Thema Poolparty einfällt? Aufgrund einer gewissen Ähnlichkeit: Viele (mehr oder weniger schöne) Menschen befinden sich (in mehr oder weniger Badebekleidung) nicht zum Schwimmen in nabelhohem Wasser.

Bei Poolpartys kommt dazu: allerlei alkoholische Flüssigkeiten in Plastikgläsern oder Pappbechern als unerlässliche Requisite.

Das Herumhopsen zu körperdurchdringender Musik in Wasser, das unter Umständen wärmer ist als die Luft, in Kombination mit dem bekanntermaßen harntreibenden Alkohol, führt irgendwann zu nicht mehr verdrängbaren Gedanken nach einer gewissen Erleichterung. Ein hippes Vergnügen, oder? (RONDO, 12.8.2016)

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