Von Verzweiflung, Europa und Testamenten

9. August 2016, 16:25
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Am Donnerstag startet das "Sommerkino Freistadt", zu Beginn sieht man "Willkommen im Hotel Mama"

Salzburg – Donnerstag startet das "Sommerkino Freistadt", bei Schlechtwetter werden die Filme im Kino gezeigt. Am Eröffnungstag die französische Familienkomödie Willkommen im Hotel Mama (2016), in der Éric Lavaine eine beruflich gescheiterte Architektin zu ihrer Mutter zurückkehren lässt. Dadurch gerät deren Leben ziemlich durcheinander, das der Tochter ist durch finanzielle Zwänge völlig aus dem Lot geraten.

Existenzielle Probleme plagen auch eine Bäuerin in der märchenhaften Komödie Birnenkuchen und Lavendel (F 2015) von Regisseur und Autor Éric Besnard: Als die Witwe beinahe einen verwirrten Fußgänger über den Haufen fährt, nimmt sie ihn mit zu sich nach Hause. Der ist Autist mit ganz eigener Sicht auf alle Dinge. In der französischen Provinz spielt auch Verstehen Sie die Béliers (2014): die Coming-of-Age-Geschichte einer Frau, die gegen den Widerstand ihrer taubstummen Eltern Sängerin werden will.

Der Dichter Zweig

Maria Schrader widmet sich in ihrer zweiten Regiearbeit Vor der Morgenröte (D/F/Ö 2016) den letzten Lebensjahren des Dichters Stefan Zweig (Josef Hader) in seinem brasilianischen Exil. Der Wahlsalzburger schrieb einmal, dass "ein Mensch ohne Heimat, ein Mensch ohne Zukunft ist". Humanist Zweig glaubte schon damals an ein Europa ohne Grenzen, letztlich sah er aber 1942 nur im Suizid einen persönlichen "Ausweg" aus der politisch-humanitären Katastrophe auf dem europäischen Kontinent. In die Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts taucht auch Suffragette (UK 2015) ein: Regisseurin Sarah Gavron zeigt die Anfänge der britischen Frauenbewegung – als diese noch in die Illegalität verbannt war und beide Seiten ihre Anliegen mit großer Gewalt durchsetzen wollten.

Gott lebt! Allerdings nicht im Himmel, sondern in einer wenig einladenden Hochhauswohnung in Belgien. Zusammen mit einer Frau und einer pubertierenden aufmüpfigen Tochter, die der immer schlecht gelaunte Mann ziemlich mies behandelt. Die Weltgeschicke lenkt er von einem alten Rechner aus, seine Hauptüberlegung gilt dabei vor allem einem: Wie er den Erdenmenschen am besten Kummer, Sorgen und Ärger bereiten kann.

Zores hat der Bosnigl mit seinen Kindern. Sohn Jesus Christus ist getürmt, die Tochter verschickt an alle Menschen eine SMS mit ihrem Todesdatum. Da verlieren selbst die Frömmsten ihren Glauben. In Jaco Van Dormael Das brandneue Testament. Von 24. bis 27. August ist Freistadt wieder Schauplatz des Festivals "Der Neue Heimatfilm". (Gerhard Dorfi, 9.8.2016)

11.-27. 8.: Freistadt, Hauptplatz/Open-Air-Sommerkino/ Salzgasse, 20.45

www.local-buehne.at

  • Maria Schraders Film "Vor der Morgenröte" widmet sich den letzten Lebensjahren des österreichischen Dichters Stefan Zweig (Josef Hader).
    foto: filmladen filmverleih

    Maria Schraders Film "Vor der Morgenröte" widmet sich den letzten Lebensjahren des österreichischen Dichters Stefan Zweig (Josef Hader).

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