Tiefstand: Österreich zahlt für zehnjährige Schulden 0,07 Prozent Zinsen

9. August 2016, 14:21
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Republik profitiert beim Schuldenmachen vom Brexit – Hohe Nachfrage nach zehnjährigem Papier – Geringer Zinsabstand zu Deutschland

Wien – Anders als für den deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble ist für seinen österreichischen Kollegen Hans Jörg Schelling (ÖVP) das Schuldenmachen nicht immer ein Geschäft. Die Republik hat am Dienstag eine zehnjährige Bundesanleihe um 500 Millionen Euro aufgestockt. Die Zinsen, die der Staat zahlt, waren mit 0,073 Prozent noch nie so niedrig, aber eben nicht negativ. "So günstig hat sich die Republik im zehnjährigen Bereich noch nie finanziert", sagte Markus Stix, Chef der Bundesfinanzierungsagentur OeBFA.

Österreich hat, wie Deutschland, von den Folgen des britischen EU-Austritts (Brexit) profitiert. "Vorige Woche hat die Bank of England (BoE) ihr Anleihenrückkaufprogramm aufleben lassen. Das führt zu vermehrten Käufen im Euroraum und drückt die Renditen der 'guten' Staaten", erklärte Stix.

Bank of England überraschte Märkte

Die britische Notenbank hat vergangenen Donnerstag den Leitzins auf ein Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt und außerdem die Märkte mit einem Maßnahmenpaket, das unter anderem Anleihenkäufe umfasst, überrascht.

Österreich ist einer dieser "guten" Staaten, gehört also zu den Topschuldnern, denen Großinvestoren gerne Geld leihen, auch wenn sie dafür fast keine Zinsen bekommen – oder gar welche zahlen müssen. Für luxemburgische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren fallen derzeit Negativzinsen von 0,13 Prozent an, für deutsche Papiere betragen die Zinsen minus 0,06 Prozent. Die Niederlande zahlen Minizinsen von 0,02 Prozent, Finnland und Österreich 0,07 Prozent.

Spread bei 13 Basispunkten

Der Abstand von österreichischen zu deutschen Papieren, in der Fachsprache Spread genannt, ist noch geringer geworden. "Der Spread liegt nun bei 13 Basispunkten und hat sich im Vergleich zur Situation vor einem Monat fast halbiert", so Stix. "Je niedriger die Zinsen vom absoluten Niveau her werden, desto geringer werden die Spreads."

Bei der Aufstockung der bis Oktober 2026 laufenden zehnjährigen österreichischen Bundesanleihe auf knapp 7,1 Milliarden Euro war die Nachfrage groß. Für ein Volumen von 500 Millionen Euro wurden mehr als 1,3 Milliarden Euro geboten. "Wir hatten eine 2,64-fache Überzeichnung. Das ist überdurchschnittlich gut", sagte Stix. Die Zuteilung erfolgte zu 100 Prozent an ausländische Banken. Der Sitz der Banken sagt allerdings nichts über die tatsächlichen Investoren aus.

Art Sommerpause auf dem Markt

Ob Österreich beim nächsten Mal beim Schuldenmachen mit zehnjährigen Papieren auch Geld verdienen wird, vermag Stix nicht zu prognostizieren. "Das kann man nicht vorhersagen. Es ist nicht auszuschließen, wenn man sich den Trend ansieht. Aber jetzt haben wir auch eine Art Sommerpause auf dem Kapitalmarkt." Der August-Termin ist stets ein Reservetermin, den die Bundesfinanzierungsagentur manchmal wahrnimmt, manchmal nicht. "Dieses Mal wollten wir das tiefe Zinsumfeld ausnutzen."

Für andere Staatsanleihen, die vor März 2026 auslaufen, bekommt Österreich Geld von Anlegern. "Ab März 2026 beginnt die Zinskurve wieder normal zu werden. Wir haben auch Finanzierungen, die nicht zehn Jahre laufen, da kommen wir auch in den Genuss der Negativzinsen", so Stix. In Summe sind rund 80 Prozent des Volumens, das die OeBFA an Papieren am Sekundärmarkt draußen hat, negativ verzinst. (APA, 9.8.2016)

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