Prozess gegen Lohfink – Zeugin stützte Vergewaltigungsvorwurf

9. August 2016, 13:20
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Angeklagtes Model erlitt leichten Nervenzusammenbruch – Prozess soll am 22. August fortgesetzt werden

Berlin – Im fortgesetzten Prozess gegen das deutsche Model Gina-Lisa Lohfink hat die Verteidigung am Montag überraschend eine Zeugin mit einer ähnlichen Geschichte wie die der Angeklagten präsentiert. Vor dem Amtsgericht in Berlin berichtete Elena H., sie habe genauso wie Lohfink gegen ihren Willen Sex mit dem Nachtclubangestellten Sebastian C. gehabt. Der 33-Jährige hatte zuvor alle Vorwürfe abgestritten.

Die Staatsanwaltschaft wirft Lohfink vor, sie habe ihre Bekannten Sebastian C. und den Fußballer F. wider besseres Wissen der Vergewaltigung bezichtigt. Im Falle einer Verurteilung drohen der 29-Jährigen 24.000 Euro Strafe.

Von den beiden Männern angefertigte Handyvideoaufnahmen von der Juni-Nacht im Jahr 2012 waren vielfach im Internet verbreitet worden. Die Debatte über diese Aufnahmen und Lohfinks darin zu hörende Worte "Hör auf" standen am Anfang einer öffentlichen Diskussion in Deutschland, die im Frühsommer in eine Verschärfung des Sexualstrafrechts mündete.

Zeugin berichtet von ähnlichen Erfahrungen

Die 35-jährige Elena H. sagte, sie sei im Jahr 2004 zusammen mit C. in ihrer Wohnung aufgewacht. Ihre letzte Erinnerung sei damals gewesen, wie C. ihr in einer Berliner Diskothek einen Cocktail gegeben habe. Sie habe keine Bilder von den zwölf folgenden Stunden gehabt, dafür aber im Intimbereich "Schmerzen wie nach dollem Sex" gespürt.

Die heutige Büromanagerin hatte nach eigener Aussage Sebastian C. damals nicht angezeigt, weil sie sich geschämt habe und und die mutmaßliche Beigabe von K.o.-Tropfen in den Cocktail schwer zu beweisen gewesen sei. "Ich habe ein Stück weit geglaubt, ich bin da selber auch dran schuld", sagte die Mutter einer einjährigen Tochter.

Die ebenfalls vor Gericht erschienene Lohfink brach wiederholt in Tränen aus und erlitt einen Nervenzusammenbruch als sie zusammen mit ihren Verteidigern, der Vorsitzenden Richterin Antje Ebner sowie Staatsanwältin Corinna Gögge Teile der Sexvideos betrachtete. Der Prozess musste kurz unterbrochen werden.

Lohfink der Lüge bezichtigt

Bei der anschließenden Befragung von Sebastian C. war Lohfink nicht anwesend. Ebenso wie der Fußballer F. am zweiten Prozesstag bestritt C. die Vorwürfe. "Sie lügt und sie weiß, dass sie lügt", sagte der frühere Gästebetreuer eines Nachtclubs. Der Sex mit beiden Männern sei "einvernehmlich" und ohne Drogeneinfluss abgelaufen.

C. sagte, Lohfink habe mit dem Video und den anschließenden Vergewaltigungsvorwürfen die Aufmerksamkeit der Medien gesucht. "Sie wollte unbedingt in die Presse."

Lohfinks Anwalt Burkhard Benecken konfrontierte C. mit den Aussagen von Elena H. sowie zweier weiterer Frauen, die ihn verschiedener Gewaltdelikte bezichtigt hatten. "Ich habe mit 500 Frauen geschlafen, und sie bringen die drei hier an, die sich beschwert haben", sagte C. Der selbstbewusst und teils aggressiv auftretende Zeuge musste mehrfach zur Ordnung gerufen werden.

Prozess zieht sich vermutlich in die Länge

Eine an den Ermittlungen zur angeblichen Tatnacht beteiligte Kripobeamtin, die seit zehn Jahren Sexualfälle bearbeitet, sagte zu den Videoaufnahmen: "Ich hatte nicht den Eindruck, dass etwas gegen ihren Willen stattfand." Der Umgang beider Männer mit Lohfink sei zwar "nicht besonders würdevoll" gewesen, "von Gewalt will ich da aber nicht sprechen".

Vor dem Gebäude erklärten sich rund 50 DemonstrantInnen solidarisch mit Lohfink und protestierten gegen sexuelle Gewalt. Der Prozess soll am 22. August mit der Aussage eines Sachverständigen fortgesetzt werden. Lohfinks Verteidiger kündigten zudem weitere Beweisanträge an, weshalb ein Urteil noch im August fraglich erscheint. (APA, AFP, 9.8.2016)

  • Gina-Lisa Lohfink kommt mit ihren Anwälten Christian Simonis (l) und Burkhard Benecken am Montag ins Amtsgericht Tiergarten in Berlin.
    foto: apa/dpa-pool/jörg carstensen

    Gina-Lisa Lohfink kommt mit ihren Anwälten Christian Simonis (l) und Burkhard Benecken am Montag ins Amtsgericht Tiergarten in Berlin.

  • Lohfink wehrt sich gegen einen Strafbefehl nach ihrer Anzeige gegen zwei Männer wegen Vergewaltigung. DemonstrantInnen kritisieren den Freispruch der Männer, der trotz eines Videos mit Lohfinks darin zu hörenden Worten "Hör auf" erfolgt.
    foto: apa/dpa/wolfgang kumm

    Lohfink wehrt sich gegen einen Strafbefehl nach ihrer Anzeige gegen zwei Männer wegen Vergewaltigung. DemonstrantInnen kritisieren den Freispruch der Männer, der trotz eines Videos mit Lohfinks darin zu hörenden Worten "Hör auf" erfolgt.

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