Rekordzahl an Flüchtlingen in Mailand, Notstand in Como

9. August 2016, 11:37
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Zunehmende Probleme wegen strenger Kontrollen an Schweizer Grenze

Mailand/Como – Nachdem die Schweizer Behörden in den vergangenen Wochen hunderte Menschen nach der illegalen Einreise im Tessin aufgegriffen und an der Grenze zurückgewiesen haben, ist der Großraum von Mailand mit einem Flüchtlingsnotstand konfrontiert. 3.300 Flüchtlinge – ein Rekordhoch – halten sich nun in Mailand auf, nachdem sie von der Schweiz zurückgewiesen wurden.

Mehr als 400 Migranten sind in einem Flüchtlingslager unweit des Mailänder Hauptbahnhofs eingepfercht, in dem es eigentlich nur Schlafmöglichkeiten für 100 Personen gibt, berichteten italienische Medien. Dabei handelt es sich vor allem um Migranten aus Eritrea, Äthiopien, Somalia und dem Sudan, darunter viele Minderjährige, die allein unterwegs sind. Sie wollen nach Deutschland weiterreisen, doch die Schweizer Grenze ist für sie gesperrt.

Camp vor Bahnhof

Besonders problematisch ist die Situation in der lombardischen Grenzstadt Como. Fast 500 Migranten campieren seit Tagen auf einer Grünanlage vor dem Bahnhof. Allein in der vergangenen Woche haben die Schweizer Grenzwächter mehr als 1.100 illegal eingereiste Menschen zurückgeschafft. Nur knapp ein Fünftel hatte ein Asylgesuch gestellt. Das Innenministerium in Rom ist auf der Suche nach Unterkünften für die Flüchtlinge.

Schwierig ist die Lage auch in Ventimiglia an der französisch-italienischen Grenze. Hier suchen zirka 500 Migranten nach Wegen, um nach Frankreich einzureisen. Eine am Sonntag geplante Demonstration von sogenannten No-Border-Aktivisten gegen die Grenzsperre wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt. Drei der Aktivisten wurden am Sonntag festgenommen, weitere 15 angezeigt, weil sie im Besitz von Waffen waren.

Der italienische Parlamentarier und Exstaatsanwalt Stefano Dambruoso warnte indes vor der Gefahr, dass sich IS-Kämpfer unter Migranten mischen könnten, die in Italien eintreffen. "Ermittlungen laufen wegen des Verdachts, dass fundamentalistische Kämpfer mit Flüchtlingsbooten aus Libyen, Ägypten und Tunesien nach Italien einreisen, um dann europäische Großstädte zu erreichen", meinte Dambruoso.

Mehr als 1.500 illegale Grenzübertritte in Serbien

Auch serbische Sicherheitskräfte haben in den vergangenen zwei Wochen illegale Grenzübertritte gemeldet. Mehr als 1.500 Menschen wurden registriert, dabei wurden mehr als 900 Personen an der Grenze zu Mazedonien aufgehalten, wie Medien in Belgrad am Dienstag unter Berufung auf das Verteidigungsministerium berichteten. Der Rest kam über Bulgarien. Seit Mitte Juli werden beide Grenzen von Polizei und Militär gemeinsam überwacht. (APA, 9.8.2016)

  • Auch vor dem römischen Bahnhof haben Flüchtlinge ein provisorisches Camp aufgebaut.
    foto: apa/afp/filippo monteforte

    Auch vor dem römischen Bahnhof haben Flüchtlinge ein provisorisches Camp aufgebaut.

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