Nach Verlust von Ostgeschäft: Bank Austria, allein zu Haus

8. August 2016, 17:44
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Eine Milliarde in bar vom Mutterkonzern Unicredit

Wien – Nun ist es also auch offiziell: Die Bank Austria (BA) hat bestätigt, dass ihre Eigentümer die Abspaltung des Ostgeschäfts beschlossen haben. Bestätigt wurden damit auch Berichte des STANDARD, wonach Unicredit ihrer Österreich-Tochter eine Milliarde Euro zugeschossen hat. Dem Beschluss der Hauptversammlung am Freitag waren Verhandlungen zwischen Italienern und den mit Minderheitsrechten ausgestatteten Aktionären Betriebsratsfonds und Gemeinde-Wien-nahe AVZ-Stiftung vorausgegangen.

Die BA solo ist nach dem Verlust ihrer 13 Osttöchter und von 8,2 Milliarden Euro Eigenkapital aufs Österreich-Geschäft reduziert, das zuletzt Verluste geschrieben hat. Die AVZ, die ein Vermögen von rund 500 Millionen Euro hat, haftet für die Bilanzsumme der BA, die nun auf rund 113 Milliarden Euro fällt. Die Gemeinde Wien haftet noch für rund 5,5 Milliarden Euro.

"Gute Ausgangsbasis"

BA-Zentralbetriebsratschef Adolf Lehner (vertritt den Betriebsratsfonds) ist zuversichtlich, dass das Institut weiterhin reüssieren wird. Mit der einen Milliarde von der Mutter habe das Institut in Bezug aufs Eigenkapital "eine gute Ausgangsbasis", sagte er am Montag zum STANDARD. Die harte Kernkapitalquote fällt auf 11,6 Prozent – die Milliarde pushe das auf 14 Prozent (auf Basis der Halbjahresbilanz). Die Italiener haben den Österreichern zugesichert, die Milliarde im Unternehmen zu belassen, sie kann in den nächsten 7,5 Jahren (Vertragsdauer) nicht als Dividende ausgezahlt werden.

Dass die BA solo mit dem Österreich-Geschäft allein keine Zukunft hat, glaubt Lehner nicht: "Ohne die außerordentlichen Faktoren, die sich unter anderem aus der Auslagerung der Bankpensionen ins staatliche System ergeben haben, hätten wir kein Minus geschrieben. Die Bank Austria ist keine Verlustbank. Ich gehe davon aus, dass wir die Belastungen verkraftet haben."

Mitarbeiterabbau

Klar sei aber, dass sich das Institut "organisatorisch neu justieren muss", die Abspaltung betreffe schließlich sehr viele Bereiche. Die Umstrukturierung des Instituts läuft bereits, Filialschließungen und Mitarbeiterabbau inklusive. Auf der anderen Seite hat die Unicredit im "Commitment Letter" versprochen, die Investitionen in Digitalisierungsprojekte aufrechtzuerhalten.

Jedenfalls soll die BA solo eine Universalbank bleiben. Ein etwaiger Verkauf des Filialnetzes, wie ihn Unicredit im Herbst auf Schiene gestellt hatte, ist damit vom Tisch. Bei etwaigen weiteren Abspaltungen würde wieder der Bank-der-Regionen-Vertrag (Rebora) greifen, die Minderheitsaktionäre könnten das Vorhaben durch Abwesenheit bei der Beschlussfassung verhindern. Im Fall Osteuropa haben sie das nicht getan. (Renate Graber, 8.8.2016)

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