Ledecky in Phelps' Fußstapfen

8. August 2016, 17:38
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Katie Ledecky (19) ist der neue Schwimm-Superstar. Schon als 15-Jährige holte sie in London ihr erstes Olympiagold. In Rio holte sie nun den ersten von vier möglichen Titeln

Rio de Janeiro – Katie Ledecky blickte auf die Zeitnehmung: 3:56,46. Sie setzte einen Schrei ab, reckte die rechte Faust. "Es ist die pure Freude", sagte sie später. Ledecky ist erst 19, aber schon jetzt ein Superstar des Schwimmsports. In Rio hat sie über 400 m Kraul ihre erste von vier möglichen Goldmedaillen geholt. Und wie es sich für einen Superstar gehört, hat Ledecky es in Weltrekordzeit erledigt. Um knapp zwei Sekunden verbesserte Kathleen Genevieve Ledecky, wie sie mit vollem Namen heißt, die alte von ihr selbst gehaltene Bestmarke.

Schon vor vier Jahren wurde Ledecky Olympiasiegerin. Als 15-Jährige gewann die US-Amerikanerin in London die 800 m Kraul. Spätestens seit damals wird sie mit Michael Phelps verglichen. Auch ihr Landsmann gab sein Olympiadebüt 15-jährig, sein erstes Gold holte er aber erst mit 19. Mittlerweile ist Phelps 31, seine allerbesten Jahre hat er hinter sich, in Rio gibt er seine Abschiedsvorstellung. Mit der 4-x-100-m-Kraulstaffel holte er am selben Abend, an dem der Brite Adam Peaty (100 m Brust), die Schwedin Sarah Sjöström (100 m Delfin) und eben Ledecky Weltrekorde schwammen, sein 19. Olympiagold. Rekord-Olympiasieger war er schon davor. Die eine oder andere Medaille könnte sich für Phelps in Rio noch ausgehen.

Dominanz über 800 m

Für Ledecky ist vermutlich mehr drin. Neben der Goldenen über 400 m holte sie in Rio auch schon Silber mit der 4-x-100-m-Kraulstaffel. Gold peilt sie noch über 4 x 200 m und vor allem über 200 und 800 m an. Debbie Mayer (USA) war vor 48 Jahren die letzte, die bei Olympischen Spielen Gold über die drei längsten Kraulstrecken im Becken holte. Ledeckys Steckenpferd sind die 800 m. Auf dieser Strecke hält sie die elf besten Zeiten der Geschichte. In London gewann sie in 8:14,63 Minuten.

Mittlerweile hat sie den Weltrekord auf 8:06,68 gedrückt. Experten trauen ihr zu, dass sie in Rio knapp an die Acht-Minuten-Marke heranschwimmen könnte. "Acht Minuten sind nicht mein Ziel, aber ich denke, dass es machbar ist. Ich nehme es Schritt für Schritt", sagte Ledecky vor den Spielen.

Siebenmeilenstiefel

Die 19-Jährige wählt eher Schritte in Siebenmeilenstiefeln. Auch über 1500 m hält sie den Weltrekord. Blöd für sie, dass die Strecke nicht olympisch ist. Aber bei Weltmeisterschaften wird sie geschwommen. In Summe hält Ledecky bei neun Langbahn-WM-Titeln. Es werden bestimmt noch einige dazu kommen. Und Olympiasiege. Phelps holte als 19-Jähriger in Athen 2004 viermal Gold. Ledecky kann es ihm also gleichtun. "Ich fühle mich wirklich gut. Ich glaube, dass alles möglich ist", sagte sie noch.

Ledeckys Erfolgsgeheimnis liegt in ihrer konsequenten Arbeit, mit der sie unmittelbar nach den London-Spielen begonnen hat. "Ich habe mir immer hohe Ziele gesetzt und sie für Rio neu definiert. Ich habe an meiner Geschwindigkeit gearbeitet, um auch auf anderen Strecken als auf der 800er gut zu sein. Wir haben jahrelang auf 2016 hingearbeitet. Jetzt hoffe ich, dass alles so gut ausgeht, wie ich mir das vorgenommen habe." Der Anfang ist schon einmal gemacht. (rie, APA, 8.8.2016)

  • Ledecky: "Ich habe mir immer hohe Ziele gesetzt."
    foto: reuters/brindicci

    Ledecky: "Ich habe mir immer hohe Ziele gesetzt."

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