Unruhestifter bei historischen US-Wahlkämpfen

9. August 2016, 07:00
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Ab und zu sorgen sogenannte Third-Party-Candidates für Furore und bringen das Parteiestablishment zum Schwitzen

Washington – Das amerikanische Wahlsystem stellt Third-Party Candidates, die als dritte Kraft neben Demokraten und Republikanern an den Start des Rennens um die Präsidentschaft gehen, enorme Hürden in den Weg. Nach dem Prinzip "The winner takes it all" zählt allein, dass ein Kandidat oder eine Kandidatin die Mehrheit in den einzelnen Bundesstaaten gewinnt. Selbst wenn man auf ein Viertel oder gar ein Drittel der Stimmen kommt, fallen diese unter den Tisch, sofern man kein einziges Duell in einem der fünfzig US-Staaten für sich entscheidet. So ist ein erfolgreiches Abschneiden für Unabhängige fast unmöglich.

Den lautesten Paukenschlag landete 1912 Theodore Roosevelt, der bereits im Oval Office residiert hatte und sich von den Republikanern trennte, um seine eigene Partei zu gründen: die Progressive Party. Roosevelt, der sich für das Frauenwahlrecht einsetzte, erreichte 27 Prozent der Stimmen. William Taft, der republikanische Amtsinhaber, musste sich mit einem blamablen dritten Platz hinter dem Demokraten Woodrow Wilson und seinem einstigen Parteifreund begnügen.

Spielverderberin

1924 spielte die Progressive Party erneut die Rolle der Spielverderberin, allerdings war es diesmal ein Konservativer, der davon profitierte. Calvin Coolidge zog ins Weiße Haus, weil Robert La Follette, der Bewerber der Progressiven, den Demokraten das Wasser abgegraben hatte.

1968 zielte George Wallace, der frühere Gouverneur von Alabama, auf weiße Wähler in den Südstaaten. An der Spitze seiner Independent Party kam der Ex-Demokrat auf 13,5 Prozent, wobei er nicht nur bei rassistisch gesinnten Südstaatlern, sondern auch bei Teilen der Industriearbeiter des Nordens punktete. Wallace ist der bisher letzte Drittparteikandidat, dem es gelang, nicht nur Stimmenanteile, sondern auch Stimmen im Kolleg der Wahlmänner und -frauen zu gewinnen: insgesamt 46.

Kurz in Führung

1992 sorgte der texanische Unternehmer Ross Perot für Furore, zumal er die Umfragen eine Zeitlang anführte: vor George Bush senior und Bill Clinton. Vier Monate vor dem Votum im November zog er sich von der öffentlichen Bühne zurück, um erst Anfang Oktober wieder auf selbiger aufzutauchen. Nach Perots Darstellung hatte ihn ein Erpressungsversuch (angeblich ging es um seine Tochter und kompromittierende Fotos) zu einer Pause gezwungen. Er kam auf 19 Prozent; seine Hochburgen lagen im "Bibelgürtel" des Südens. Donald Trump folgt heute Perots Muster, wenn er die politische Klasse als eine Ansammlung jämmerlicher Versager hinstellt.

2000 holte Ralph Nader als Kandidat der Grünen 2,7 Prozent, womit er in einem denkbar knappen Rennen zwischen George W. Bush und Al Gore zum Zünglein an der Waage wurde. (Frank Herrmann, 9.8.2016)

  • Ross Perot mischte den Wahlkampf von 1992 auf.
    foto: ap / ed zurga

    Ross Perot mischte den Wahlkampf von 1992 auf.

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