Philosophie der Pöpsche

8. August 2016, 17:12
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Ivo Pitanguy ist tot. Der berühmteste Schönheitschirurg der Welt erlag im Alter von 93 Jahren daheim in Rio de Janeiro einem Herzversagen. Kurz zuvor hatte er noch die Olympiafackel getragen. Brasilien hat Pitanguy viel zu verdanken, er machte das Land zur Nummer-1-Destination für – das kommt auf Englisch besser – "plastic surgery tourism". Der Mann wurde der "Philosoph der Schönheitschirurgie" genannt, er war überzeugt davon, Menschen ebenso gut helfen zu können wie ein Psychoanalytiker.

Dem Körper durch, nun ja, Eingriffe auf die Sprünge helfen, das ist auch im Sport ein Thema. Auch unter brasilianischen Sportlern? Zumindest müssen sie sich jetzt damit abfinden, dass ihre Erfolge in speziellem Licht erscheinen, seitdem herauskam, dass sie sich in den Wochen vor Olympiabeginn keinen Dopingtests mehr zu unterziehen hatten.

Die Menschheit will belogen und betrogen werden. So gesehen ist manch Sporterfolg auch nicht wertvoller als ein höher gehängter Popsch. Brasilien führt weltweit, was Schönheitsoperationen betrifft. Auf tausend Menschen kommen fünf Eingriffe. Die Eitelkeit ist ein Hund. Seinerzeit ist der berühmte Schriftsteller und Wahlbrasilianer Stefan Zweig noch so richtig ins Schwärmen geraten: "Die Straße wird durch die Fülle der Physiognomien zu einem ständig wechselnden Bild. Welche Kunst hier, die Spannungen zu lösen, ohne sie zu zerstören." Doch das ist auch schon 75 Jahre her.

Im Gegensatz zu Sportlern machen viele Stars aus Eingriffen kein Hehl. Von der brasilianischen Schauspielerin und Sängerin Xuxa ist folgender Ausspruch bekannt: "Viele meinen, das wären gar nicht meine Brüste. So ein Blödsinn, ich hab sie doch selbst gekauft." (Fritz Neumann, 8.8. 2016)

  • Copacabana: Postkartenansicht.
    foto: reuters/domingos

    Copacabana: Postkartenansicht.

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