Kinderbetreuung im Sommer: Hoffen, bitten und bangen

Kommentar8. August 2016, 17:12
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Kürzere Ferien würden die Dimension des Problems zwar verringern, doch an der Wurzel wäre es nicht gepackt

In Österreich sind Eltern oft Bittsteller. Väter und Mütter, deren Nachwuchs den Kindergarten besucht, müssen hoffen, bitten und bangen, dass die Einrichtung über den Sommer weitgehend offenhält, wenn sie für eine Lücke nicht den gesamten Jahresurlaub aufwenden wollen oder können. Je nach Bundesland ist ihre Lage zudem höchst unterschiedlich – was jeder Logik entbehrt.

Mit dem Spross wächst das Ferienproblem: Sobald der Nachwuchs die Schulbank drückt, stehen ihm zwei Monate Erholung zu. Wieder hoffen, bitten und bangen, dass Großeltern in der Lage und Nähe sind, die Kinder zu umsorgen, oder dass sich leistbare Sommercamps finden.

Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) will nun über die Länge der Sommerferien diskutieren. Kürzere Ferien würden die Dimension des Problems zwar verringern, doch an der Wurzel wäre es nicht gepackt: Weiterhin gibt man Eltern das Gefühl, um jedes Puzzleteil in der Kinderbetreuung froh sein zu müssen und in Rand- und Ferienzeiten jonglierend alleingelassen zu sein. Dass die maximalen Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen oft nicht bis zum Feierabend reichen, ist aber ein Ganzjahresproblem.

In Schweden – wo die großen Ferien übrigens zehn Wochen dauern – haben Eltern einen Rechtsanspruch auf ganzjährige Kinderbetreuung. Dies zeigt eine ganz andere Grundhaltung des Staates. Über diesen Ansatz will Karmasin aber derzeit – noch – nicht reden. (Gudrun Springer, 8.8.2016)

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