Äthiopien: Berichte über zahlreiche Tote bei Protesten

8. August 2016, 20:07
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Aktivisten: Polizei schlägt Proteste in der Region Oroma gewaltsam nieder

Addis Abeba – Beim gewaltsamen Vorgehen von Sicherheitskräften gegen regierungskritische Demonstranten sind in Äthiopien am Wochenende dutzende Menschen getötet worden. Es gebe Berichte über 48 bis 50 Todesopfer in der Region Oromia, sagte ein Oppositionsvertreter am Montag. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International gab die Zahl der Todesopfer mit 97 an.

Ein Diplomat sprach von 49 Todesopfern in Oromia im westlichen Zentrum des Landes sowie in Amhara im Norden Äthiopiens. Offenbar hätten sich in den Gebieten spontane Proteste ausgebreitet. "Die brutale Reaktion der Regierung droht noch mehr Wut auszulösen und es schlimmer zu machen", sagte der Diplomat, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Die Zahl der Todesopfer drohe noch zu steigen, weil es zahlreiche Verletzte gebe, sagte der Chef des oppositionellen Oromo-Volkskongresses, Merera Gudina. Amnesty International zufolge wurden am Samstag und am Sonntag 67 Menschen Oromia und 30 weitere in Amhara getötet.

Die äthiopischen Behörden blockieren seit Freitag den Zugang zu sozialen Online-Netzwerken. Diese spielen in dem ostafrikanischen Land eine zentrale Rolle bei der Organisation von Protesten.

Die regierungskritischen Demonstrationen breiteten sich am Wochenende trotz des harten Vorgehens der Regierung, die als eine der repressivsten in Afrika gilt, bis in die Hauptstadt Addis Abeba aus. Im Stadtzentrum hatten sich am Samstag etwa 500 Menschen versammelt und "Wir wollen unsere Freiheit" sowie "Befreit unsere politischen Gefangenen" gerufen. Die Polizei löste die Versammlung gewaltsam auf.

In der Region Oromia gibt es bereits seit Ende vergangenen Jahres immer wieder Proteste. In Amhara wurden jüngst aufflammende Proteste zusätzlich durch die versuchte Festnahme zweier Lokalpolitiker angefacht, die sich gegen eine Regierungsentscheidung zur Zusammenlegung zweier Bezirke gestemmt hatten. Die Protestierenden eint der Unmut über die Regierung, die mehrheitlich der ethnischen Gruppe der Tigray entstammt und der die Demonstranten Diskriminierung vorwerfen.

(APA, AFP, 8.8.2016)

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