Ein Libertärer krempelt im US-Wahlkampf die Ärmel hoch

16. August 2016, 14:05
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Gary Johnson will Trump und Clinton das Leben schwermachen und in Umfragen 15 Prozent erreichen, um bei TV-Debatten dabeizusein

Washington – Gary Johnson hat eine magische Marke vor Augen: 15 Prozent. Sollten nämlich die amerikanischen Demoskopen befinden, dass tatsächlich diese Zahl an Wählern einen Präsidenten Johnson favorisieren würde, dürfte er nämlich im Herbst neben Hillary Clinton und Donald Trump an den drei Präsidentschaftsdebatten teilnehmen. Es wäre der Ritterschlag für einen Politiker, der lange als exzentrisch angehauchter Außenseiter galt.

Ein solcher "Debattencoup" ist seit einem Vierteljahrhundert keinem gelungen. Ross Perot, der exzentrische Milliardär aus Texas, war 1992 der bisher Letzte. Angetreten als Unabhängiger, vermasselte er George Bush senior die Wiederwahl – vor allem weil er dem Amtsinhaber im konservativen Lager das Wasser abgrub.

Johnson könnte auf Perots Spuren wandeln. Er könnte davon profitieren, dass sich Teile der republikanischen Wählerschaft am vulgären Trump reiben, gleichwohl aber nicht bereit sind, zu Clinton überzulaufen. In diesem Szenario wäre der Libertäre der lachende Dritte. So theoretisch klingt das alles nicht: Neulich sah ihn eine Umfrage von CBS News bei zwölf Prozent – schon ziemlich dicht an der magischen Marke.

Gegenentwurf zu Trump

Wer Johnson am Rande des Nominierungsparteitags der Republikaner in Cleveland sah, erlebte einen Mann, der allein vom Habitus her wie der Gegenentwurf zu Trump wirkte. Leise optimistische Töne, gepflegte Selbstironie. Seine Markenzeichen sind Turnschuhe und eine schnittige Sonnenbrille. Auf Krawatten verzichtet er, wo immer es geht. Johnson will Lässigkeit ausstrahlen.

Nicht, dass der 63-Jährige die politische Mitte bedient. Vielmehr steht er für eine Philosophie, die die Aufgaben des Staates auf ein Minimum zu beschränken gedenkt. Johnson will die Steuerbehörde abschaffen, Steuern überhaupt drastisch senken und dafür das Pensionsalter deutlich anheben. Zugleich steht er für unbeschränkten Freihandel und offene Türen gegenüber Einwanderern. Es wäre verrückt, würde man Trumps Mauerbauplänen folgen, sagt Johnson. Verrückt wäre es auch, elf Millionen ohne gültige Papiere in den USA lebende Migranten zu deportieren. Die Leute arbeiteten in Knochenjobs, für die sich sowieso kaum ein Alteingesessener finde.

Das Laisser-faire eines Libertären hat der Bauunternehmer Johnson bereits praktiziert, als er von 1995 bis 2003 Gouverneur des Bundesstaates New Mexico war. Schon 1999 plädierte er für die Legalisierung von Marihuana, weil sich der sogenannte Krieg gegen Drogen als milliardenteures Fiasko entpuppte. Kein Wunder, dass Johnson besonders heftig applaudierte, als Colorado den Anfang machte und 2012 beschloss, den Konsum von Cannabis zu gestatten. Er hatte in eine Firma investiert, die unter anderem Haschischkekse herstellt.

Nicht der erste Versuch

Als Johnson die Reihen der Republikaner verließ, klang er wie einer jener Tea-Party-Rebellen, die es dem konservativen Establishment verübelten, dass es unter der Ägide George W. Bushs die Staatsausgaben ausufern ließ. "Die Republikaner haben aufgehört, gute Verwalter von Steuerdollars zu sein", wetterte er. 2011 war das, und im Jahr darauf kandidierte er erstmals fürs Oval Office – wenn auch ohne den Hauch einer Chance. Es gab damals keinen Spalter wie Trump: Es gab Mitt Romney, mit dem sich die Parteibasis problemlos arrangierte. Für Johnson blieben nur Krümel: knapp ein Prozent der Wählerstimmen. (Frank Herrmann, 16.8.2016)

  • "Mister 15 Prozent": Kandidat Gary Johnson will es wissen.
    foto: getty images / george frey

    "Mister 15 Prozent": Kandidat Gary Johnson will es wissen.

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