Herrschaftliche Maya-Grabkammer in Belize entdeckt

8. August 2016, 16:52
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Die 1.300 Jahre alte Begräbnisstätte enthält einen männlichen Leichnam und kostbare Grabbeigaben. Die ungewöhnliche Bauweise der Anlage gibt Rätsel auf

Belmopan – Archäologen vermelden einen sensationellen Fund aus Belize: Sie entdeckten Mitte Juli eine prächtige Grabkammer im Inneren der Tempelanlage Xunantunich nahe der Stadt San Ignacio im Westen des Landes. Bei dem Versuch, die Treppe zu einem höher liegenden Tempel freizulegen, stolperten die Forscher förmlich über den Eingang des Grabs. Offenbar handelt es sich um den größten derartigen Fund seit rund 100 Jahren, wie die Forscher um Grabungsleiter Jaime Awe von der Northern Arizona University im Fachblatt "The Pari Journal" berichten.

foto: jaime awe
Luftaufnahme der Tempelanlage Xunantunich im Westen von Belize.

Muskulöser Toter

In dem etwa zehn Quadratmeter großen Grabmal fand sich der Leichnam eines Mannes und zahlreiche Grabbeigaben. Erste Untersuchungen ergaben, dass die Bestattung vor rund 1.300 Jahren stattgefunden haben dürfte und der Tote zwischen 20 und 30 Jahre alt gewesen ist. Der Körperbau des Mannes sei zum Zeitpunkt seines Todes "athletisch und ziemlich muskulös gewesen", sagte Awe. Weitere Analysen sollen nun die Todesursache ans Licht bringen.

Über die Identität des Mannes ist noch nichts bekannt, doch das Grab selbst und gefundene Beigaben lassen auf einen ausgesprochen hohen Status schließen: In der Kammer wurden unter anderem Knochen eines Jaguars, Jadeperlen, Klingen aus Obsidian und Dutzende Keramikgefäße gefunden. Und auch die Bauart der Kammer selbst sei außergewöhnlich, so Awe. Nicht nur sei es eine der größten Grabkammern, die je in Belize entdeckt wurden, sie unterscheide sich auch sonst deutlich von anderen Maya-Begräbnisstätten in der Umgebung.

Üblicherweise seien Maya-Gräber an existierende Strukturen angebaut worden, doch in diesem Fall scheint das Grab gleichzeitig mit den umliegenden Bauten entstanden zu seien. "Es hat den Anschein, als wäre der Tempel dafür gebaut worden, das Grab zu umschließen", sagte Awe. Diese Vorgehensweise sei von anderen Hochkulturen wie den alten Ägyptern bekannt, bis auf wenige Ausnahme in der Maya-Architektur jedoch völlig unüblich.

foto: jaime awe
Das Grabungsareal in Xunantunich.

Die bis zu 40 Meter hohen Tempelruinen von Xunantunich sind bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannt, seit 1924 gibt es systematische Ausgrabungen. Doch noch längst sind nicht alle Geheimnisse der einstigen Hochkultur gelüftet. Bisher weiß man, dass Xunantunich seine Hochblüte etwa ab dem Jahr 700 unserer Zeitrechnung erlangte und zwei bis drei Jahrhunderte lang ein prosperierendes Zentrum darstellte.

Das mögliche Herrschergrab stammt aus diesem Zeitraum. In der Umgebung existierten zeitgleich mehrere ähnliche Stadtstaaten, ehe sie allesamt aus nicht restlos geklärten Ursachen verlassen wurden. Die Forscher hoffen nun, mithilfe des aktuellen Fundes mehr über die Geschichte der Maya-Stadtstaaten der Region herauszufinden. (red, 8.8.2016)

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