"Der Widerspenstigen Zähmung": Tobende Weiber ehelichen

8. August 2016, 15:53
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Wo Frauen mit Lederpeitsche kommunizieren – bei den Volksschauspielen im Tiroler Telfs

Telfs – Für Der Widerspenstigen Zähmung bei den Tiroler Volksschauspielen hat Regisseur Markus Völlenklee ein pipifeines Zirkuszelt mit allem Drum und Dran hingestellt (Bühne Karl-Heinz Steck). Wo ansonsten Dompteure über wilde Raubkatzen das Sagen haben und diese zu streichelweichen Schmusekätzchen mutieren, werden in Telfs tobende Weiber zur Räson gebracht und zu Vorzeigegattinnen gewandelt.

Manege frei also für Shakespeares knallige Heiratskomödie. Die fuchsteufelswilde Katharina (überzeugend Ines Schiller) geht vorerst nur mit gefletschten Zähnen und langer Lederpeitsche auf ihr Visavis los. Vom männlichen Geschlecht wird sie vorsorglich gemieden. Die heiratswilligen Freier (Philipp Rudig, Fabian Schiffkorn, Peter Wolf, köstlich Monika Schletterer-Falbesoner als lüsterner Greis) umschwärmen hingegen ihr liebreizendes Schwesterchen Bianca (Lisa-Maria Sexl).

Aufgeputzt unter die Haube

Doch die Freier müssen sich gedulden, zuerst muss die ältere Katharina an den Mann gebracht werden. So hat es der Vater (Georg Luibl) entschieden. Die Rettung kommt in Gestalt von Petruchio (impulsiv und mit vollem Körpereinsatz Felix Defèr) in Begleitung seines Lakaien Grumio (kautzig Johannes Gabl). Die Ungestüme kommt – aufgeputzt wie ein Zirkuspferd – unter die Haube. Der Bräutigam braust mit großer Verspätung auf einem uralten Puch-Roller und in zerfetzter Aufmachung, in den Ring. Das Match der Zähmung ist eröffnet.

Markus Völlenklee ringt seinem Ensemble neben Clowneskem auch Artistik ab. Den akrobatischen Part hat Sexl inne. Am Vertikaltuch turnt sie sich beim Dialog in die Höhe und wickelt sich ab. Ihren Redefluss stoppt sie auch kopfüberhängend nicht. Bei aller Shakespeare-Treue kann Völlenklee einen Ausritt ins Fach des Bauernschwanks nicht lassen. All den Klamauk untermalt mit Verve die Zirkuskapelle, hingebungsvoll auch mit schiefen Tönen. Ein vergnüglicher und gelungener Abend. (Dorothea Nikolussi-Salzer, 8.8.2016)

  • Schauplatz Manege: Regisseur Markus Völlenklee erklärt "Der Widerspenstigen Zähmung" zur Dompteursarbeit.
    foto: bernd schranz

    Schauplatz Manege: Regisseur Markus Völlenklee erklärt "Der Widerspenstigen Zähmung" zur Dompteursarbeit.

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