Enttäuschte Hoffnungen am Cern: Doch kein neues Elementarteilchen

8. August 2016, 15:05
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Vielversprechende Datenanomalie erwies sich als Zufallsprodukt, mehr als 500 theoretische Artikel werden zu Makulatur

Chicago/Wien – Es wäre eine größere Entdeckung gewesen als die des Higgs-Teilchens und hätte eine neue Ära der Teilchenphysik begründet. Doch die Hoffnungen, dass sich die Anzeichen des Sensationsfundes am Large Hadron Collider (LHC) des Cern bei Genf erhärten würden, haben sich zerschlagen: Die Datenanomalie, die im Dezember erstmals berichtet wurde, erwies sich als Produkt des Zufalls, wie Physiker am Rande einer Konferenz zu Hochenergiephysik in Chicago mitteilten.

Die Auffälligkeit war bei einer Energie von 750 Gigaelektronenvolt in dem Teilchenbeschleuniger gemessen worden. Die Messdaten schienen also auf ein besonders schweres Teilchen hinzudeuten – es wäre sechsmal schwerer gewesen als das Higgs-Boson.

Da sowohl Atlas wie auch CMS, die beiden LHC-Detektoren, die "Datenbeule" registrierten, waren die Erwartungen groß, dass sich das Signal als neues Teilchen herausstellen würde. Da es die Tür zu einer ganz neuen Physik jenseits des sogenannten Standardmodells geöffnet hätte, wurde die Fantasie der theoretischen Physiker entsprechend stark angeregt: Seit Dezember publizierten sie über 500 Arbeiten, die eine Theorie zum möglichen neuen Elementarteichen lieferten.

Nicht nur Zeitverschwendung

Diese Artikel sind mit einem Schlag Makulatur. Christoffer Petersson, ein theoretischer Physiker aus Schweden, hält in einem Gespräch mit Nature News die Bemühungen der Theoretiker nicht für reine Zeitverschwendung. Er jedenfalls hätte eine ganze Menge dabei gelernt. Außerdem bedeute dieser falsche Alarm nicht, dass sich dadurch die Wahrscheinlichkeit verkleinert hätte, am LHC etwas ganz Neues zu finden.

Doch andere Physiker zeigen sich mittlerweile etwas besorgt, dass man mehr als 40 Jahre nach der Formulierung des Standardmodells immer noch nichts gefunden habe, das auf eine ganz andere Physik hindeutet. (tasch, 8.8.2016)

  • Im Dezember hatte das CMS-Experiment Hinweise auf ein neues Teilchen geliefert, die sich als reines Zufallsprodukt herausstellten.
    foto: apa/keystone/christian beutler

    Im Dezember hatte das CMS-Experiment Hinweise auf ein neues Teilchen geliefert, die sich als reines Zufallsprodukt herausstellten.

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