Forscher entdeckten neuen "Superkleber" aus dem Meer

8. August 2016, 14:25
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Der Rankenfußkrebs Dosima fascicularis produziert einen Klebstoff mit enormem Haftvermögen

Wien – In jahrelanger Arbeit haben Forscher aus Deutschland, Irland und Österreich einen natürlichen "Superkleber" analysiert, den der Rankenfuß-Krebs Dosima fascicularis produziert. Das außergewöhnliche Tier haftet sich bombenfest an viele Materialien und baut damit sogar Floße, um mobiler zu sein. In Medizin und Technik könnte der Klebstoff Anwendung finden, heißt es in einer Aussendung.

Im Rahmen des vom Wissenschaftsfonds FWF unterstützten Projekts stießen Biologen um Waltraud Klepal von der Uni Wien auf erstaunliche Eigenschaften des schaumartigen Hydrogels, das Dosima fascicularis in relativ großen Mengen produziert. Abseits seiner guten Hafteigenschaften ist das Sekret auch elastisch und hat aufgrund seiner porösen Struktur eine stoßdämpfende Wirkung.

Viele Anwendungen denkbar

Diese Kombination aus günstigen Eigenschaften, zusammen mit dem Befund der Wiener Forscher, dass er keine Giftstoffe enthält, mache den zu 92 Prozent aus Wasser sowie aus Proteinen und Kohlenhydraten zusammengesetzten flexiblen und wasserfesten "Zement" zu einem interessanten Kandidaten für viele Anwendungen. "In der Orthopädie könnte es als eine Art Dämpfungskissen, etwa als Bandscheibe, eingesetzt werden", sagt Klepal.

Die nur wenige Zentimeter großen Tiere jedenfalls setzen das Sekret nicht nur als Klebstoff ein, mit dem sie sich an ein fixes Objekt anheften. Sie surfen auch kopfüber an Flößen angeheftet durch das Meer. "Das Floß entsteht dann, wenn sich 'Dosima' als Larve zum Beispiel an einem kleinen Stück Seegras festheftet und als erwachsenes Tier dieses mit Zement umschließt", so Klepal. Dieses kann bis zu drei Zentimeter Durchmesser erreichen, wobei die Größe an jene des Tieres angepasst wird.

Einzigartiger Mechanismus

Die Kooperationspartner am Fraunhofer-Institut in Bremen untersuchten den biochemischen Aufbau des Zements, mit dem Aufbau der Tiere setzte sich das Wiener Team im Detail auseinander. Unter dem Elektronenmikroskop konnten sie klären, wo die Drüsen sitzen, die das Zement entwickeln, und wie es durch winzige Gänge und Poren ins Meerwasser gelangt.

Beim Floßbau wird der Klebstoff zunächst über die Poren an den Antennen und in weiterer Folge am Stiel des auf dem Kopf stehenden Tieres abgesondert. So entsteht Schicht für Schicht eine Art Ball, der im Inneren aus elastischen Blasen besteht, wie die Forscher herausfanden. Wächst der Krebs, öffnen sich am weichen, flexiblen Stiel immer neue Poren. So wird sichergestellt, dass das Tier nicht im eigenen Klebstoff erstickt. Eine solche Poren-Verschiebung hatten die Wissenschafter noch nie beobachtet. "Die nächsten Schritte werden in Richtung genetischer Aufklärung und angewandte Forschung gehen", so Klepal. (APA, 8. 8. 2016)

  • Dieses Exemplar hat sich auf Treibholz gehaftet.
    foto: ingo grunwald

    Dieses Exemplar hat sich auf Treibholz gehaftet.

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