Zuerst die Tore, dann die Randale

8. August 2016, 16:48
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Rapid ist nach dem 4:1 gegen die Austria glücklich, zumal sich der Isländer Arnor Traustason nur leicht verletzt hat. Sorgen bereiten die eigenen Fans. Die Austria erhält in den nächsten Tagen eine Einführung in das Fußballfach "Taktik"

Wien – Mike Büskens hat nach dem Derby seinen "Körper verarscht". Er hat das Abendessen mit einem Salat begonnen und mit Schokolade (viel Schokolade) beendet, er schaute dabei fern. Olympische Spiele interessieren auch einen Rapid-Trainer, zumal er als Deutscher mit Medaillen im zweistelligen Bereich rechnen kann.

Kollege und Landsmann Thorsten Fink dürfte jedenfalls schlecht geschlafen haben. Es war freilich bemerkenswert, dass er am Vorabend Austrias 1:4-Schlappe "auf meine Kappe" genommen hat. Was ihn geritten hat, ein 4-4-2-System zu wählen, wusste er nicht. "Es war jedenfalls eine falsche Entscheidung. Rapid war gefährlicher, schneller, schärfer." Als Konsequenz wird die Austria nun im taktischen Bereich geschult, die Woche drängt sich auf, die Europa League pausiert. Am Sonntag soll das Gelernte in Graz gegen Sturm gezeigt werden. Kapitän Robert Almer wunderte der pomadige Auftritt. "So kann es gegen Rapid niemals gehen."

Die Statistik wies der Austria 56 Prozent Ballbesitz aus, genau darin könnte der Grund für das Debakel gelegen haben. Man stand zu hoch, öffnete die Räume, lud Rapid zum Umschalten ein. Büskens ist prinzipiell ein Bremser, trotzdem fielen ihm zu seiner Mannschaft Attribute wie "überragend", "clever", "richtig gut" und "hervorragend" ein.

Entwarnung für Traustason

Die Abgänge von Florian Kainz, Thanos Petsos und Stefan Stangl wurden offensichtlich zumindest kompensiert. Ivan Mocinic ist vermutlich ein besserer Petsos, er verteilt die Bälle präzis, kann Situationen lesen, das nennt man Instinkt. Arnor Traustason ist nicht schwächer als Kainz, der Isländer hat das 1:0 besorgt, mit einer Schusstechnik, die nicht nur Büskens "großartig" nannte. Traustason musste verletzt ausscheiden, die Diagnose am Montag brachte Entwarnung: kleiner Bluterguss im Knie, ein Knochenmarksödem im rechten Schienbeinkopf, in ein paar Tagen ist er wieder voll im Training. Der 23-Jährige ist im Sommer von Norrköping gekommen, er hat den "wohlüberlegten" Wechsel nicht bereut. "Rapid spielt ein höheres Tempo, die Fans sind lauter als in Schweden. Ich bin hier, um mich zu verbessern. Und das funktioniert in dieser Mannschaft."

Stangls Abgang wurde intern wettgemacht, die Außenverteidiger Thomas Schrammel und Mario Pavelic marschieren und marschieren. Büskens: "Sie machen die schmutzigen Kilometer." Louis Schaub erzielte übrigens sein erstes Derby-Tor, nach diversen Rückschlägen durch Verletzungen ist der 21-Jährige ein absoluter Lichtblick. "Es geht mir gut." Büskens geht nicht davon aus, "dass es nur eine Momentaufnahme ist. Schaub ist sehr präsent, seine Entwicklung hervorragend." Um die Lobhudelei fortzusetzen, fiel auch etwas für den erst 19-Jährigen, von Hoffenheim ausgeliehenen Brasilianer Joelinton ab. Der Mittelstürmer traf zum 4:1. Büskens: "Stark, wie er mit der Belastung und dem Druck umgeht.

Ordner nach Böllerwurf abtransportiert

Am Samstag werden im Allianz Stadion gegen die Admira 20.000 Zuschauer erwartet. Die meisten werden brav sein, die Deppen, es sind gar nicht so wenige, wird Rapid aber nicht und nicht los. Während des Derbys wurden Böller gezündet, ein Ordner wurde leicht verletzt. Nach dem Spiel gab es Schlägereien vor dem Happel-Stadion, die Austria-Fans machten brav im Sinne von blöd mit, die Polizei griff ein. Maximilian Entrup (19) wurde, als er in den Schlusssekunden eingewechselt wurde, ausgebuht. Er war Mitglied beim Austria-Fanklub Inferno. Na und? Fortsetzung folgt. (Christian Hackl, 8.8.2016)

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