Judoka holt erstes Gold für Kosovo

7. August 2016, 22:49
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25-Jährige Weltmeisterin Majlinda Kelmendi siegt in der Klasse bis 52 kg – Junger Staat erstmals bei Olympia vertreten

Rio/Prishtina – "Ich fühle mich gut, dass ich etwas für mein Land mache und für die Jugend im Kosovo." Am Sonntag gewann die kosovarische Judoka Majlinda Kelmendi die erste Goldmedaille für den Staat, der sich 2008 für unabhängig erklärt hatte. Es ist das erste Mal, dass der Kosovo überhaupt bei Olympischen Spielen dabei sein darf. Deswegen ist Kelmendis Erfolg nicht nur ein sportlicher, sondern auch ein diplomatischer. Der Kosovo ist zwar von 109 Staaten, aber nicht von den Vereinten Nationen anerkannt, weil Russland dagegen – im Sinne Serbiens – sein Veto einlegt.

Nicht einmal alle EU-Staaten sehen den kleinen Balkan-Staat als unabhängig, indem einander 1999 die kosovo-albanische Befreiungsarmee und serbische Einheiten bekriegten. Spanien, Rumänien, die Slowakei, Zypern und Griechenland fürchten Konsequenzen im eigenen Land aufgrund ihrer eigenen Nationalitäten.

Kelmendis bisherige Siege haben aber bereits Russland gezwungen, dem kosovarischen Staat Tribut zu zollen. Im April spielte man im russischen Kasan die kosovarische Nationalhymne, nachdem die 25-Jährige EM-Gold gewonnen hatte.

Bei den Olympischen Spielen 2012 in London trat Kelmendi noch für Albanien an. 2014 akzeptierte das Internationale Olympische Komitee (IOC) aber dann die Teilnahme des Kosovo – Spanien und Russland lenkten unerwartet ein. Heuer im Juni wurde der Kosovo auch vom europäischen Fußballverband Uefa zugelassen.

Parallelsystem

Mittlerweile ist der Staat in 13 internationalen Sportvereinigungen aufgenommen. Die meisten Albaner aus dem Kosovo treten bereits seit 1992 nicht mehr unter der serbischen Flagge an – damals begann bereits die Oppression. Nicht nur in der Bildung, sondern auch im Sport wurde ein Parallelsystem errichtet.

Die Teilnahme des Kosovo an den Spielen in Rio wird in Prishtina auch als gute Gelegenheit für das "Nation-Branding" gesehen, also um ein wenig positive Werbung zu betreiben und aus den negativen Schlagzeilen heraus zu kommen. Manchen Kosovaren geht es aber auf die Nerven, dass so viele Politiker das Team nach Rio begleitet haben. Schließlich kostet das Geld. Stattdessen hätte man das Geld besser in neue Sportanlagen investiert und Förderprogramme für Talente ins Leben rufen sollen, meinen einige. (Adelheid Wölfl, 8.8.2016)

  • Überwältigt: Majlinda Kelmendi.
    foto: afp/kitamura

    Überwältigt: Majlinda Kelmendi.

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