Die Fragen nach Fabelzeit von Hosszu

7. August 2016, 18:35
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Weltrekord um mehr als zwei Sekunden verbessert, Ungarin erklärt ihre Leistungen mit harter Arbeit und will noch drauflegen

Rio de Janeiro – Katinka Hosszu wuchtete sich aus dem Wasser und deutete energisch mit den Zeigefingern immer wieder auf sich selbst. "ICH habe es geschafft", – das sollte diese Geste bedeuten. Über 400 m Lagen schwamm die Ungarin nicht nur zu ihrer ersehnten ersten olympischen Medaille, sondern auch zu einem Fabelweltrekord.

"Ich war selbstbewusst", sagte Hosszu nach dem Goldrennen. "Ich bin nach Rio gekommen, um mein Bestes zu geben. Und das habe ich." Bei ihren vierten Olympischen Spielen schwamm die fünfmalige Welt- und 13-malige Europameisterin erstmals auch bei Olympia aufs Podest. Die 27-Jährige, genannt "Iron Lady", distanzierte mit ihrer Zeit von 4:26,36 Minuten die zweitplatzierte US-Amerikanerin Maya DiRado um mehr als fünf Sekunden und die Spanierin Mireia Belmonte um sechs Sekunden. Die Österreicherin Jördis Steinegger, die 29. wurde, war gar um 21 Sekunden langsamer als die Ungarin.

Den Weltrekord der Chinesin Ye Shiwen, der Olympiasiegerin von London, verbesserte Hosszu um mehr als zwei Sekunden. In Rio scheiterte Ye Shiwen sang- und klanglos im Vorlauf. Vor vier Jahren hatte sie nach ihrem Sensationssieg viele Fragen zum Thema Doping beantworten müssen. Auch Hosszus enormes Trainings- und Wettkampfpensum wirft Fragen auf, eine positive Probe gab sie aber noch nie ab.

Hosszu sagt dazu lediglich: "Harte Arbeit zahlt sich immer aus." Und hart arbeitet sie ohne Zweifel. Keine andere Schwimmerin spult im Jahr so viele Wettkämpfe ab wie die Eiserne, im Schnitt sind es 100 pro Jahr. Dazu kommen unzählige Stunden im Kraftraum. Hosszu verzichtet komplett auf Fast Food und Süßigkeiten. Sie sei eine "24-Stunden-Athletin", sagt ihr in den USA geborener Trainer und Ehemann Shane Tusup, dessen verrückte Jubelpose nach dem Triumph ebenfalls um die Welt ging.

Im ungarischen Schwimmverband dürften sich dagegen nicht alle so ausgelassen gefreut haben. Anfang des Jahres hatte Hosszu den Verband bloßgestellt, indem sie einen Vertragsentwurf zur Fördervereinbarung für Olympia bei einer Pressekonferenz vor laufenden Kameras zerriss.

Stunk mit dem Verband

Die Vereinbarung war an die Bedingung geknüpft, dass Hosszu zum Hauptwerbegesicht für die Schwimm-WM 2017 in Budapest wird. "Der Verband wollte mich damit bloß zum Schweigen bringen", hatte die verbandskritische Schwimmerin damals gesagt.

Hosszus Weltrekord war am ersten Wettkampftag der Schwimmer nicht der einzige. Die australische Damen-Kraul-Staffel mit den Schwestern Cate und Bronte Campbell gewann Gold in 3:30,65 Minuten. Der Brite Adam Peaty schwamm über 100 m Brust schon im Vorlauf zu einer Weltbestzeit (57,55 Sekunden).

Hosszu kann indes noch drauflegen. Über 100 m Rücken, 200 m Lagen und 200 m Delfin hat sie Starts angekündigt. Die "Iron Lady" wird wieder ihr Bestes geben. (sid, red, 7.8. 2016)

  • Katinka Hosszu jubelt nach ihrem Sieg über 400 m Lagen, die 27-Jährige distanzierte die Konkurrenz um mehr als fünf Sekunden.
    foto: afp/bouys

    Katinka Hosszu jubelt nach ihrem Sieg über 400 m Lagen, die 27-Jährige distanzierte die Konkurrenz um mehr als fünf Sekunden.

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