Terrorverdacht nach Angriff in Belgien – IS beansprucht Tat für sich

7. August 2016, 17:51
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Zwei verletzte Polizistinnen im Koma

"Die Polizei in Charleroi hat ohne Zweifel eine noch größere Tragödie verhindert", erklärt der belgische Premierminister am Sonntag bezüglich des Attentats eines jungen Mannes auf die Polizeistation im Zentrum der südbelgischen Stadt am Vortag. Es gebe "eindeutige Hinweise, dass es sich um einen Terroranschlag handelte", sagte der Premier, der noch Samstagabend seinen Urlaub abgebrochen hatte und in die Hauptstadt Brüssel zurückgekehrt war. Der Täter hatte versucht, mit einer Machete bewaffnet auf das Gelände der Polizei zu gelangen, verletzte beim Eingang zwei Polizistinnen und war dann von einem dritten Beamten angeschossen worden. Er erlag im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Polizistinnen wurden ins Koma versetzt, schweben aber nicht in Lebensgefahr.

Bei dem Täter handle es sich um einen 33 Jahre alten Algerier, der seit 2012 in Belgien lebte, teilte die Staatsanwaltschaft laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Belga am Sonntag mit. Er sei der Polizei wegen anderer Vergehen bekannt gewesen, aber nicht im Zusammenhang mit Terrorismus. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ließ am Sonntag über ihr Sprachrohr Amaq bekanntgegeben, dass sie die Attacke für sich beanspruche. Die Behörden hatten zuvor von mehreren Indizien gesprochen, die einen politisch motivierten Anschlag mit islamistischem Hintergrund annehmen ließen. Zeugen hatten unter anderem zu Protokoll gegeben, dass der Angreifer "Allahu akbar" (Gott ist groß) geschrien hatte.

Terrorwarnstufe drei

Die für die Einstufung der aktuellen Bedrohungslage zuständige Zentrale (OCAM) schlug der Regierung vor, die Terrorwarnstufe auf drei (von vier) zu belassen, was eine erhöhte Aufmerksamkeit, aber nicht die Gefahr eines unmittelbar bevorstehenden weiteren Attentats bedeutet. Laut Premier Charles Michel werde es für die schon bisher besonders bewachten Polizeistationen aber weitere Sicherheitsvorkehrungen geben. Spezielle Militäreinheiten sind im ganzen Land tätig. Seit dem Attentat auf das jüdische Museum vor zwei Jahren und jenem auf den Flughafen und eine Metrostation im März ist ein solcher Terrorcheck für das Land Routine.

Im vergangenen Jahr waren von einer islamistischen Zelle solche Angriffe auf Polizisten angekündigt, aber bisher nie ausgeführt worden. Auch Mitarbeiter der Justiz sollen im Visier der Islamisten stehen. Bereits Anfang 2015 waren bei der Erstürmung einer Terrorzelle in Verviers im Osten Belgiens Pläne gefunden worden, wonach der Staatsapparat direkt angegriffen werden sollte. (Thomas Mayer aus Brüssel, 7.8.2016)

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