Ferien und Fortbildung

Blog9. August 2016, 06:00
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Mehr Lehrer denn je bilden sich in den Ferien fort. Das ist gut so – noch besser wäre eine bessere Aufteilung – und bessere Betreuung für Schulkinder in den Ferien

Das Bildungsministerium gönnte sich kürzlich eine Jubelmeldung – es sei ihm nachgesehen, schließlich gibt es im Bildungsbereich seit Jahrzehnten nicht allzu viel zu jubeln. Man zeigte sich ministeriellerseits höchst erfreut, dass sowohl Angebot als auch Nachfrage nach Weiterbildungsmöglichkeiten im Sommer Jahr für Jahr steigen. Man hoffe, heuer die Zahl von 28.000 Anmeldungen für Seminare und Workshops in den Sommerferien zu erreichen, schloss die Aussendung. Das ist gut.

Noch besser wäre es, wenn sich das Gros des Weiterbildungswillens nicht auf die allerletzten Ferienwochen konzentrieren würde – denn da wäre eigentlich schon gründliche Vorbereitung auf das Schuljahr vorgesehen. Das könnte vielleicht gelingen, wenn man nicht stur daran festhalten würde, dass Fort- und Weiterbildungen ausschließlich auf den Pädagogischen Hochschulen stattzufinden haben. Warum nicht auch Wifi oder Bfi oder eine andere anerkannte Institution mit einbeziehen? Vielleicht haben die Angebote, die dem jeweiligen Pädagogen besser in sein Lehrkonzept passen als das, was die PHs gerade anbieten.

Am besten wäre es übrigens, wenn die Pflicht zur Weiterbildung – 15 Stunden pro Jahr – bereits jetzt für alle, auch für AHS-Lehrer, bestehen würde, nicht erst 2019/20.

Mehr Engagierte

Und überhaupt ein Traum wäre, wenn es mehr Lehrer geben würde, die von sich aus sagen: "Mir sind neun Wochen Sommerferien zu lang, ich kümmere mich gerne darum, dass meine Schüler auch in den Ferien betreut sind." Da wird dann nicht nur gesportelt und gespielt, sondern auch für den Nachzipf gelernt – was den dankbaren Eltern wiederum hunderte Euros erspart. Kein Schmäh, solche Lehrer gibt es, ihr Engagement ist bewundernswert und kann nicht genug hervorgehoben werden. Es sollte mehr, viel mehr von ihnen geben.

Die neun Wochen sind eine ungeheure Herausforderung für berufstätige Eltern – und eine kostenintensive obendrein, wenn man sich anschaut, welche Beträge für einwöchige "Sommer-" oder "Trainingslager" zumeist verlangt werden. Zudem geht die lange Feriendauer auf eine Zeit zurück, als Kinder ihren Eltern noch bei der Ernte helfen mussten – also einer historisch zu nennenden Vergangenheit, als die Gesellschaft noch weitgehend agrarisch geprägt war. Diese Zeiten sind lange vorbei.

Kein Verlass auf Oma und Opa

Man kann auch nicht, wie Familienministerin Sophie Karmasin, gemütlich darauf verweisen, dass am Land halt in den meisten Fällen die Großeltern einspringen. Das ist zwar nett und ein schönes Beispiel für den immer noch weitgehend intakten Zusammenhalt der Generationen – aber sich darauf zu verlassen ist auch kein Konzept, zumal Österreichs Senioren immer rüstiger und unternehmenslustiger werden.

Da müsste sich der Staat, der ja ein volkswirtschaftliches Interesse daran haben muss, dass seine Bürger 1. möglichst zahlreich einer Erwerbsarbeit nachgehen, und 2. auch noch für Nachwuchs sorgen, schon mehr einfallen lassen. In Schweden etwa gibt es einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung – auch im Sommer.

Engagement belohnen

Ein Rechtsanspruch allein macht freilich noch keinen kinderbetreuten Sommer – es braucht auch Personal und Infrastruktur. Letztere wäre vorhanden, würde man die Schulen öffnen. Hunderte öffentliche Gebäude stehen mehr als zwei Monate pro Jahr leer – das ist nicht zuletzt auch ökonomisch nicht sinnvoll.

Was das Personal betrifft, gilt es, vorhandene Ressourcen zu bündeln, aktiv um Lehrer zu werben, die auch in den Ferien pädagogisch aktiv sein – und sich etwas dazuverdienen wollen. Nicht zuletzt müssen, auch im Hinblick auf den Ausbau der Ganztagsschulen, die Freizeitpädagogen aufgewertet und besser bezahlt werden.

Das sind keine Wünsche an ein Christkind mit prall gefülltem Geldbörsel – sondern an eine ganzheitliche Bildungspolitik, die sich zu allen Jahreszeiten für Österreichs Schüler verantwortlich fühlt. (Petra Stuiber, 9.8.2016)

  • Kinder beim Ferienspiel: Ganzheitliche Bildungspolitik ist gefragt, die sich zu allen Jahreszeiten für Österreichs Schüler verantwortlich fühlt.
    foto: derstandard.at/moser

    Kinder beim Ferienspiel: Ganzheitliche Bildungspolitik ist gefragt, die sich zu allen Jahreszeiten für Österreichs Schüler verantwortlich fühlt.

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