Doppler/Horst scheitern an Sky-Serve

7. August 2016, 06:41
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Alex Ranghieri/Adrian Carambula in erstem Gruppenspiel zu stark für Österreichs Top-Duo – Auch Alexander Huber/Robin Seidl starten mit Niederlage

Rio de Janeiro – Das Olympia-Turnier der Beach-Volleyballer in Rio de Janeiro hat für Österreich mit Ernüchterungen begonnen. Im ersten Match im bombastischen, mehr als 12.000 Zuschauer fassenden Stadion direkt an der weltberühmten Copacabana unterlagen Clemens Doppler/Alexander Horst den Italienern Alex Ranghieri/Adrian Carambula glatt 0:2 (-14,-13). Damit stehen sie in Gruppe A unter Zugzwang. Besser aber im Endeffekt auch nicht befriedigend lief es für Alexander Huber/Robin Seidl, sie mussten sich in der Gruppe F den Spaniern Pablo Herrera/Adrian Gavira nach Gewinn des ersten Satzes mit 1:2 (14,-17,-13) geschlagen geben.

Doppler/Horst standen von Anfang an unter Druck. Gleich das erste Service des Turniers war ein Sky-Serve von Carambula, und es sollten noch viele folgen. Der 28-Jährige ist der einzige Spieler auf der Tour mit einem solchen, in hohem Bogen und mit viel Spin in das gegnerische Feld gedrehten Aufschlag. Doppler/Horst hatten sich gut darauf vorbereitet, Horst diese Service-Art auch mehr als "Show-Element" bezeichnet. Das ÖVV-Duo verlor dann auch bei keiner einzigen Annahme direkt den Punkt.

Wind

Aber dennoch war dieses Service match-entscheidend. "Die Annahme war schwieriger als sonst, weil der Wind sehr gedreht hat im Stadion", sagte Horst. "Der Ball bewegt sich dann in der Luft sehr viel, und du weiß nicht genau, wo er runterkommt." Doppler stimmte dem bei: "Wir haben nicht gedacht, dass er so viele Sky-Serves macht. Aber insgeheim habe ich es befürchtet. Der Wind hat immer gedreht. Damit haben wir unser Spiel nicht aufziehen können. Es ist bei einem so konstant drehenden Wind sehr schwierig."

Ein fast noch größeres Problem sah Horst in der Blockleistung von Ranghieri. "Er ist wahrscheinlich der derzeit beste Blockspieler der Welt. Er hat uns viel Druck gemacht, und wir haben überhaupt nicht ins Spiel gefunden." Die Italiener hingegen schon, und da waren sie nicht mehr zu stoppen. "Sie sind spielerische Typen. Wenn sie drinnen sind, dann spielen sie ganz locker und sich in einen Rausch hinein. Dann kann es so ausgehen, wie es heute ausgegangen ist."

Ärgernis um Challenges

Im Endeffekt traten so viele neue Faktoren ein, dass die exakte Vor-Analyse der Gegner ad absurdum geführt wurde. Doppler: "Wir haben gewusst, dass wir nicht die Favoriten sind. Sie waren heuer bis auf einmal immer in den Top Ten, wir nicht", musste Doppler einräumen. "Aber es war einfach ein unerwartetes Spiel. In der Statistik, die wir haben, waren viel weniger Sky-Serves. Diese Lockerheit, ein Spiel zu genießen, haben wir halt nicht gehabt."

Ein großes Ärgernis für die beiden waren zudem die Challenge-Entscheidungen, ähnlich dem Hawk-Eye im Tennis. Ende des ersten Satzes wurde einer Challenge der Österreicher nicht stattgegeben, obwohl das Video Gegenteiliges gezeigt und Ranghieri zugegeben hatte, dass er den Angriffsball am Block noch berührt hatte. Auch eine Entscheidung zu Beginn des zweiten Satzes lief gegen Doppler/Horst. "Die Entscheidungen waren eine Katastrophe", sagte Doppler.

ÖVV-Duo Huber/Seidl in guter Verfassung

Huber/Seidl präsentierten sich gegen die erfahrenen Spanier – Herrera war 2004 mit einem anderen Partner Olympia-Zweiter – in guter Verfassung. Sie zogen aber dennoch knapp den Kürzeren."Wir haben uns relativ gut verkauft, auf diese Leistung können wir aufbauen. Dass kein Sieg herausgeschaut hat, ist natürlich bitter, aber wir haben noch zwei Chancen", betonte Huber.

Die Last-Minute-Qualifikanten erwischten bei ihrer Olympia-Premiere einen ausgezeichneten Start. Sie lagen im ersten Satz nach großteils fehlerloser Leistung von Beginn an vorne, bauten den Vorsprung zur Satzmitte aus und gewannen glatt 21:14. Die Fortsetzung des Flutlichtmatches verlief dann aber ausgeglichener. Das bessere Ende hatten nach einigen sehenswerten Punkten die Spanier mit 21:17 für sich.

Im Entscheidungsdurchgang zogen die olympia-erprobten Iberer auf 12:9 davon. Dem rot-weiß-roten Duo gelang zwar noch einmal der Ausgleich und die Abwehr eines Matchballes, die Niederlage vermochten sie aber nicht mehr abzuwenden. Da halfen auch die Anfeuerungsrufe einiger angereister Familienmitglieder nichts. "Beide Teams haben im dritten gut gespielt, da geht es um zwei Punkte, die so oder so fallen können", meinte Seidl.

Insgesamt war er aber zufrieden mit der Leistung. "Wir haben uns gut gefühlt, das hat gepasst. So kann es weitergehen. Ich hoffe, dass wir am Montag wieder so gut starten, aber dann gewinnen wir es."

Neue Chance

Für Doppler/Horst steht nun am Montag (20.30 Uhr MESZ) die harte Partie gegen die Brasilianer Alison/Bruno an. Die Lokalmatadore setzten sich im Anschluss in einer hart umkämpften Partie mit der Unterstützung von den Rängen durch tausende, leidenschaftliche Fans 2:0 (19,20) durch. Gegen die Kanadier geht es für Österreichs-Nummer-1-Paar in der Nacht auf Donnerstag (5.00 Uhr MESZ). Die Kärntner Huber/Seidl treffen in ihrem zweiten Spiel am Montag auf die US-Amerikaner Jacob Gibb/Casey Patterson. Nur der Gruppenletzte scheidet fix aus. (APA, 6.8.2016)

  • Die italienischen Gegner waren zu stark für Clemens Doppler und Alexander Horst.
    foto: reuters/sprich

    Die italienischen Gegner waren zu stark für Clemens Doppler und Alexander Horst.

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