Hickhack zwischen Karmasin und ÖGB um Frauenquote

6. August 2016, 08:31
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Die Familienministerin ortet zu wenig weibliche Betriebsräte und fordert von der Gewerkschaft eine "Selbstverpflichtung". Die ÖGB-Frauen kontern

Wien – Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) stichelt Richtung Gewerkschaft: 46 Prozent der Beschäftigten seien Frauen, aber nur 34 Prozent der Betriebsräte – "da müssen wir schon konstatieren, dass offensichtlich Gleichberechtigung selbst bei der Arbeitnehmerinnen-Vertretung nicht vorhanden ist". Es brauche eine "Selbstverpflichtung" der Gewerkschaft, forderte Karmasin gegenüber der APA.

Die Ministerin wünscht sich unter dem Titel "Flexi-Quote", "dass entsprechend dem Anteil der Frauen in einem Unternehmen auch der Anteil der Betriebsräte weiblich sein muss". Auch mit Blick auf die Führungsebene der Gewerkschaften sei es "schon erschreckend, dass hier ausschließlich Männer Fragen für Frauen, Gleichberechtigung und Vereinbarkeit verhandeln", findet Karmasin.

"Kreative" Kandidatinnensuche

"Das kann ja nicht sein, dass die Gewerkschaften am lautesten nach Gleichberechtigung schreien", aber der Frauenanteil in ihren Betriebsräten "einfach unterdurchschnittlich ist". Die Gewerkschaften sollten geeignete Kandidatinnen für Betriebsrats-Wahlen identifizieren und sie coachen, meinte Karmasin. Die Frage, wie das konkret funktionieren soll, spielte Karmasin weiter: Da seien "der Kreativität keine Grenzen gesetzt".

ÖGB-Frauen: "Billige Polemik"

Die ÖGB-Frauen reagieren ablehnend auf den Vorschlag von Karmasin. Der Frauenanteil in Betriebsräten sei zu niedrig, man arbeite jedoch "mit Hochdruck" daran, das zu ändern, erklärte Bundesfrauensekretärin Isabella Guzi.

Die 34 Prozent weiblichen Betriebsräte seien ein zu geringer Anteil, wie auch die ÖGB-Frauen einräumen: "Der Befund der Ministerin ist an sich richtig. Es sei ihr aber versichert, dass wir mit Hochdruck daran arbeiten, das zu ändern" so Guzi. "Aber sich als Ministerin einer Partei, die weder für emanzipatorisches Engagement, noch für ein modernes Frauenbild bekannt ist, ausgerechnet auf den ÖGB und Betriebsräte zu versteifen, zeigt, dass es Frau Karmasin weder um Gleichberechtigung, noch um Frauensolidarität geht, sondern um billige politische Polemik", sagte sie abschließend. (APA, 6.8.2016)

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