Grasser in der "Krone": Hausgemachte Querdenker

6. August 2016, 15:00
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Mit dem spektakulären Teil-Rückzieher des "Kurier" ist es nicht so weit her, wie die "Krone" ihren Lesern weismachen will

Für die "Kronen Zeitung" ist Karl-Heinz Grasser einst sogar auf den Stephansturm geklettert, kein Wunder, dass das Blatt ihm dafür die Treue hält. Dass diverse Medien seit Jahren eine regelrechte Hetzjagd gegen K.-H. Grasser entfacht haben, ist Tatsache. So sieht es jedenfalls der sich gehetzt Fühlende selber, Grund genug, das als objektive Erkenntnis auszugeben. Aber dass der "Kurier" jahrelang zu den Hetzern gehört haben soll und sich nun bessern will, überrascht dann doch ein wenig. Der "Kurier" sorgte nach der nun erfolgten Anklage mit einem spektakulären Teil-Rückzieher für Aufsehen, allerdings nur bei denen, die sich Grassers Opfertheorie anzuschließen entschlossen sind. Deshalb, weil Grasser erst nach sieben Jahren Ermittlungen angeklagt worden sei, dürfe, so heißt es, "jetzt nicht zwingend eine Verurteilung erfolgen". Schließlich müsse auch für Grasser gelten, dass bei noch immer "zu wenig belastender Substanz" im Zweifel für den Angeklagten zu entscheiden sei. Bemerkenswert!

Bemerkenswert daran ist lediglich, wie eine Zeitung, die bei Vorverurteilungen nicht immer besonders heikel ist, dem "Kurier" einen Teil-Rückzieher unterstellt, und noch dazu einen spektakulären, nur weil er das Selbstverständliche sagt, dass im Zweifel hierzulande immer noch für den Angeklagten entschieden wird. Und das ist gut so.

Der "Kurier" sagte aber mehr. Wie der Buwog-Prozess gegen Grasser etc. auch ausgeht: Man darf von einem Erfolg sprechen. Nachgerade auf der Hand liegt dies in jenem Fall, wenn einer, einige oder sogar alle 16 Angeklagten verurteilt werden sollten, Schuldsprüche wären ein unüberhörbares Signal des Rechtsstaates an all jene, die glauben, sie stünden über ihm: "Wir schnappen euch!"

Mit dem spektakulären Teil-Rückzieher des "Kurier" ist es also nicht so weit her, wie die "Krone" ihren Lesern weismachen will.

Macht nichts, denn die "Krone" erhält seit einiger Zeit politische Schützenhilfe von einem Pamphlet namens "alles roger", das Querformat für Querdenker, herausgegeben von Ronnie Seunig, wer immer das sein mag. Als Kolumnisten hält man sich einen gewissen Peter Westenthaler, der in seinem Leben ja schon einige seriöse Jobs ausfüllte. In der August-Nummer fand er – so ein Zufall! – in Landeshauptmann Hans Niessl einen idealen Interviewpartner, und man muss sagen, er tat sein Bestes, um für eine rot-blaue Koalition zu werben. Es hängt vielleicht mit dem vertrauten Du-Wort zusammen, mit dem Westenthaler die Stimmung aufzulockern versuchte, dass Niessl das süße Geheimnis entschlüpfte: Man kann in der heutigen Zeit die SPÖ nicht mehr über einen Kamm scheren, sodass man meint, alles, was für Wien gut ist, hat auch für das Burgenland gut zu sein.

Zum Dank für derlei Ergüsse wurde Niessl gepriesen als einer, der nicht nur in der Flüchtlingsfrage den Schwenk in seiner Partei vorgegeben habe, er wurde in den vergangenen Wochen auch zum einflussreichsten Regisseur in der gesamten SPÖ. Er regiert im Burgenland seit einem Jahr erfolgreich mit der FPÖ und führt nun auch die Bundes-SPÖ zu einer bedeutenden Annäherung in Richtung politische Normalität: Das Ende der Ausgrenzung und die Öffnung zu einer möglichen rot-blauen Koalition.

Dass unter der grandiosen Führung Niessls bei der Bundespräsidentenwahl im Burgenland eine satte Mehrheit für Norbert Hofer zu verzeichnen war, rundet das Bild von ihm als einem Sympathieträger für Freiheitliche ab.

Für Leser, die noch immer nicht begriffen haben, woher bei "alles roger" der Wind weht, legte der Chefredakteur, ein Roland Hofbauer, nach. Wir würden in die falsche Richtung steuern, wenn wir nicht den Zorn der linken Gesinnungsdiktatur auf uns ziehen würden. Das gilt natürlich erst recht für die Grüne Meinungsdiktatur. Die ist ganz schlimm. Wer der grünen Multi-Kulti-, EU- oder Verbotsideologie nicht folgt, wird denunziert, verklagt, an den Pranger gestellt. Noch schlimmer: Ein besonderes Anliegen scheint den Grünen auch die Kontrolle über die Medienlandschaft zu sein. Nur "alles roger" konnte sich bisher retten.

Besonders übel verhält sich die Presse schlechthin. Sie wollte auch in Österreich die Bemühungen für einen EU-Austritt im Keim ersticken, und das jetzt, wo Großbritannien frei ist.

Aber es gibt auch Erfreuliches. Gruppensex auf hoher See. Events, auf denen sich jeder seine feuchten Träume erfüllen kann, boomen. Das haben sie mit dem rechten Schmarren gemeinsam. (Günter Traxler, 6.8.2016)

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