Wiener Kindergärten: 2300 neue Plätze in vier Wochen

5. August 2016, 17:21
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In der Causa Alt-Wien will die Stadt nun vermitteln, sollten private Träger die Kindergartenstandorte übernehmen wollen

Wien – Rund 2.300 Wiener Kinder sind ab Ende August ohne Betreuungsplatz, 300 Pädagoginnen ohne Job. Das ist das Problem, vor dem Betroffene und die Stadt Wien nun stehen, nachdem der private Betreiber der Alt-Wien-Kindergärten den Forderungen der Stadt nicht nachgekommen war. Der Verein rund um Richard Wenzel soll seit 2009 6,6 Millionen Euro an Fördergeldern veruntreut haben und konnte trotz Nachfrist keine Garantie darüber abgeben, das Geld zurückzuzahlen. Eine weitere Zusammenarbeit zwischen Alt-Wien und der Stadt wird es daher nicht geben, wie der STANDARD berichtete.

"Ruhe bewahren"

Die Eltern sind schwer verunsichert. Sie forderten am Freitag einen Handlungsleitfaden der MA 10 (Wiener Kindergärten), wie man am besten vorgehen soll, um einen neuen Betreuungsplatz zu finden. Den betroffenen Pädagoginnen riet die Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA-djp) "Ruhe zu bewahren", bis die Situation ein bisschen klarer sei. Man sei in Kontakt mit dem Alt-Wien-Betriebsrat und biete den Mitarbeiterinnen Unterstützung an, hieß es in einer Aussendung.

Auf politischer Ebene kündigte Familienministerin Sophie Karmasin an, in der Causa vermittelnd tätig werden zu wollen. Außerdem richtete sie der Stadt aus, "in den Professionalitätmodus" zu schalten. Die Kritik ließ nicht lange auf sich warten. Die Kinder- und Jugendsprecherin der SPÖ im Parlament, Angela Lueger, äußerte in einer Aussendung "keinen Bedarf an einer selbsternannten Mediatorin". Heinz-Christian Strache, Obmann der FPÖ, forderte von Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ), einen runden Tisch einzuberufen. Die Lösung für die Probleme der Kinder und Eltern müsse angesichts des "suboptimalen SPÖ-Personals" in der Stadtregierung sofort zur Chefsache erklärt werden".

"Vielleicht zu leichtgläubig"

Die Verantwortlichen selbst übten am Freitag ein wenig Selbstkritik. Daniela Cochlar von der MA 10 sagte, man sei "vielleicht zu leichtgläubig" gewesen und hätte im Fall Wenzel zu sehr darauf vertraut, dass es eine Lösung geben werde. Dennoch habe man sich "bestmöglich" verhalten, ist sie überzeugt. Am bestehenden Fördersystem will Cochlar nicht rütteln, sagt sie zum STANDARD. Im Herbst finde zwar eine Evaluierung des Systems statt, diese habe aber nichts mit der aktuellen Causa zu tun.

In Sachen Übernahme der Alt-Wien-Einrichtungen hätten sich bereits zahlreiche private Trägerorganisationen gemeldet. Cochlar will vermittelnd tätig sein. Die Betriebsübergabe würde aber zwischen dem jeweiligen Interessenten und Wenzel abzuwickeln sein. Letzterer gab am Freitag keine Stellungnahme ab.

Um alternative Betreuungsplätze anzubieten, meldeten sich die Wiener Kinderfreunde zu Wort. Man habe in vielen Bezirken noch Plätze für jede Altersstufe frei, wo die Kinder sofort einsteigen könnten. Die betroffenen Eltern und Kinder hätten die Möglichkeit, sich jederzeit einen Kindergarten mit freien Plätzen anzusehen und die Kinder bei Interesse anzumelden. Die MA 10 verwies abermals auf das Infotelefon (01 277 55 55). (Rosa Winkler-Hermaden, 5.8.2016)

  • Bis Ende August können die Kinder noch die Schaukeln der Alt-Wien-Einrichtungen nutzen. Dann ist wohl Schluss,  die Stadt stellt die Fördermittel ein.
    foto: reuters

    Bis Ende August können die Kinder noch die Schaukeln der Alt-Wien-Einrichtungen nutzen. Dann ist wohl Schluss, die Stadt stellt die Fördermittel ein.

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