Fjodor Konjuchow: Der Abenteurer mit dem Priestergewand

Kopf des Tages5. August 2016, 17:23
17 Postings

Der 65-jährige Russe hat die Welt mit einem Heißluftballon umrundet. Nun will er in den Marianengraben abtauchen

In 80 Tagen um die Welt – über solche Zeiten kann Fjodor Konjuchow nur schmunzeln. Doch Jules Verne muss den russischen Extremreisenden schon beeindruckt haben. Seit Jahrzehnten testet er seine persönlichen Grenzen und die des Erdballs aus. Gerade hat er eine Weltumrundung in gut elf Tagen hinter sich gebracht.

Mit einem 52 Meter hohen Heißluftballon unterbot er, von Australien aus startend, nicht nur die Rekordzeit des vor neun Jahren verunglückten US-Amerikaners Steve Fosset um zwei Tage, sondern stellte mit 10.600 Metern auch noch gleich den Höhenrekord für eine Ballonfahrt rund um den Globus ein.

Die höchsten Berge bestiegen

Mit Rekorden kennt sich der 65-Jährige aus. Gut ein Dutzend dürfte der im ukrainischen Gebiet Saporoschje Geborene inzwischen eingestellt haben, nachdem er schon als 15-Jähriger über das Asowsche Meer gerudert war. Atlantik und Pazifik hat er allein im Paddelboot überquert, die Antarktis mehrfach im Segelboot umrundet, die höchsten Berge bestiegen, die entferntesten Pole, darunter der Nordpol der Unzugänglichkeit, bezwungen.

Seine Erlebnisse verarbeitete er in Artikeln, Büchern und Bildern und Skulpturen. Konjuchow gehört sowohl dem Schriftstellerverband als auch der russischen Akademie der Künste an, obwohl er einst die eher praktischen Berufe Nautiker und Schiffsmechaniker erlernt hat. Die Russische Geographische Gesellschaft plant in Kürze eine neue Ausstellung Konjuchows.

Wachsender Glaube an Gott

Inzwischen ist der dreifache Vater auch noch orthodoxer Priester. Der Glaube an Gott und die Heiligen sei gewachsen, als er die Naturgewalten herausgefordert habe, bekannte Konjuchow einmal. "Im großen Ozean ist niemand außer ihnen in der Lage, dir zu helfen", sagte er.

Auch bei der jüngsten Reise grenzte es an ein Wunder, dass sein Ballon während eines Gewitters nicht vom Blitz zerschmettert wurde. "Gefährlich, schrecklich und schwer, aber angenehm", beschreibt er das überstandene Abenteuer. An Demut und Aufhören denkt Konjuchow deshalb noch lange nicht. Drei neue Expeditionen stehen schon auf dem Plan: "Ich will in den Marianengraben abtauchen, mich in die Stratosphäre erheben und mit einer Yacht allein dreimal die Welt ohne Zwischenstopp umrunden", sagte er.

Gut möglich, dass der 65-Jährige auch das alles schafft. Schon sein ganzes Leben hat Konjuchow in die Tat umgesetzt, wovon andere nur zu träumen wagten. (André Ballin, 5.8.2016)

  • Fjodor Konjuchows Glaube an Gott wuchs, als er die Naturgewalten herausforderte.
    foto: ap/alexander zemlianichko

    Fjodor Konjuchows Glaube an Gott wuchs, als er die Naturgewalten herausforderte.

Share if you care.