Bank Austria: Aktionäre machen Weg für Ost-Abspaltung frei

5. August 2016, 17:09
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Die Hauptversammlung hat beschlossen, das Osteuropa-Geschäft nach Mailand zu schieben. Unicredit muss die BA als Universalbank existieren lassen

Wien – Die Abspaltung des Osteuropa-Geschäfts der Bank Austria und sein anschließender Transfer zur Mutter Unicredit ist auf Schiene. Am Freitag um 13 Uhr haben sich die Aktionäre zur Hauptversammlung getroffen – und alle drei sind gekommen.

Das ist insofern von Wichtigkeit, als die Minderheitsaktionäre Betriebsratsfonds und Gemeinde-Wien-nahe AVZ Stiftung den Abspaltungsbeschluss durch ihre Abwesenheit verhindern hätten können. Das taten sie aber nicht – der Beschluss, die 13 osteuropäischen Töchter (CEE) von Wien nach Mailand zu bugsieren, steht damit.

Starke Rechte

Zur Erinnerung: Die Unicredit hält 99,996 Prozent an der Bank Austria (BA); AVZ 10.000 und Betriebsratsfonds 115 Aktien; mit ihnen war laut Bank-der-Regionen-Vertrag das Recht verbunden, die Abspaltung zu blockieren. Der Betriebsratsfonds rang bis zuletzt um Absicherungen für die BA. Gemäß (unbestätigten) STANDARD-Recherchen hat sich Unicredit im 7,5-Jahre geltenden Vertrag unter anderem zu Folgendem verpflichtet:

  • Universalbank Die BA bleibt eine Universalbank – damit ist der Verkauf des Retailgeschäfts (wie er im Herbst geplant war) vom Tisch. Diese Verpflichtung gilt im Fall des Verkaufs der BA auch für einen neuen Eigentümer.

  • Eine Milliarde Euro Die Italiener haben bereits eine Milliarde Euro überwiesen, fürs Eigenkapital. Mit ihrer Forderung nach einer Kapitalspritze von mindestens 1,5 Milliarden Euro setzten sich die Österreicher nicht durch.

  • 14 Prozent Ein etwaiger Erwerber der BA muss sich verpflichten, für eine Eigenkapitalquote von 14 Prozent zu sorgen. Das gilt für den Fall, dass die Quote bis zu einem etwaigen Verkauf absinkt. Diese Nachschussverpflichtung gilt aber nur einmal, nicht für die gesamten 7,5 Jahre. Zudem wird das Ostgeschäft, wie oft berichtet, von Österreich aus weitergeführt, zum Teil mit BA-Mitarbeitern.

Der Deal muss jetzt noch finalisiert und ins Handelsregister eingetragen werden, zudem muss ihn die Aufsicht absegnen. Die BA solo ist künftig auf ihr (im ersten Halbjahr: verlustbringendes) Österreich-Geschäft zurückgeworfen. Sie verliert (ohne die frische Milliarde) 8,2 Milliarden Euro anrechenbarer Eigenmittel und behält selbst 6,1 Milliarden. Das ergibt laut Spaltungsbilanz eine harte Kernkapitalquote von 11,63 Prozent. (Renate Graber, 5.8.2016)

  • Für die Bank Austria regnet es künftig nur noch in Österreich.
    foto: reuters/heinz-peter bader

    Für die Bank Austria regnet es künftig nur noch in Österreich.

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