Chinesen kaufen Milan, Ära Berlusconi endet

5. August 2016, 16:50
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Neue Eigentümer wollen in den nächsten drei Jahren 350 Millionen investieren und die Rossoneri nach zuletzt mageren Jahren wieder in internationaler Spitze verankern

Mailand/Wien – Beim AC Milan geht die 30-jährige Ära von Silvio Berlusconi zu Ende. Der ehemalige italienische Ministerpräsident einigte sich mit einem chinesischen Konsortium auf den Verkauf seines kompletten Aktienpakets, teilte Berlusconis Fernsehholding Fininvest am Freitag mit. Die Chinesen wollen in den nächsten drei Jahren 350 Millionen Euro investieren. Stadtrivalen Inter war erst Anfang Juni vom chinesischen Konzern Suning übernommen worden.

Die Fininvest-Holding der Familie von Berlusconi hatte Anfang Mai Gespräche mit den Chinesen aufgenommen. Der Vorvertrag wurde demnach bereits unterzeichnet. Das mit 220 Millionen Euro verschuldete Milan wurde mit 740 Millionen Euro bewertet.

Investoren aus China steigen derzeit verstärkt in den europäischen Profifußball ein. Vor kurzem übernahm der Elektronikhändler Suning Commerce für rund 270 Millionen Euro einen Mehrheitsanteil von 70 Prozent am Mailänder Lokalrivalen Inter.

Zu den künftigen Eigentümern Milans gehören die Management-Firma Sino-Euro Sports Investment und deren Vorsitzender Li Yonghong und der Investment-Fund Haixia Capital. Darüber hinaus sind noch weitere staatliche und private Firmen aus der Finanzbranche und der Industrie an dem Konsortium beteiligt.

Mit dem Vorvertrag verpflichteten sich die Investoren, sofort 15 Millionen Euro zu überweisen. Weitere 85 Millionen Euro sollen binnen 35 Tagen gezahlt werden. Das Geschäft muss noch von den italienischen und chinesischen Behörden abgesegnet werden und soll Ende 2016 abgeschlossen sein.

Frisches Geld für neue Spieler

Berlusconi war seit langem auf der Suche nach Investoren für Milan, der zwar zu den erfolgreichsten Vereinen in Europa zählt, allerdings schon lange auf der Suche nach frischem Kapital war, um an alte Erfolge anknüpfen zu können. Mit den Geldern des neuen Besitzers soll massiv in neue Spieler für die Mannschaft investiert werden.

Im vergangenen Herbst war ein geplanter Deal mit dem thailändischen Investor Bee Taechaubol geplatzt. Berlusconi hatte zuletzt immer wieder zu verstehen gegeben, dass sich seine TV-Gruppe den Klub nicht mehr leisten könne, dass er aber als Aktionär weiterhin im Verein das Sagen haben wolle.

Nach einer schweren Herzoperation, der er sich im Juni unterzogen hatte, hatte sich der 79-Jährige jedoch zur kompletten Trennung vom Verein entschlossen. Dazu hatte ihn auch seine Tochter Barbara, Co-Geschäftsführerin von Milan, gedrängt.

Erst im Februar hatte Berlusconi den 30. Jahrestag als Eigentümer des Renommierklubs gefeiert. Durch seine Mittel avancierte Milan schon Ende der 80er Jahre zur Nummer eins in Europa. Mittlerweile jedoch ist der Klub auch im Zuge der allgemeinen Finanzprobleme im Mittelmaß versunken. Der letzte Meistertitel datiert aus dem Jahr 2011, Milans siebenter und bislang letzter Triumph in der Champions League liegt neun Jahre zurück.

Westbrom ebenfalls chinesisch

Ebenfalls am Freitag wurde bekannt, dass West Bromwich Albion an das chinesische Unternehmen Yunyi Guokai (Shanghai) Sports Development verkauft wird. Der Preis wurde nicht veröffentlicht. (APA, sid, red, 5.8. 2016)

  • Silvio Berlusconi präsidierte über eine der erfolgreichsten Perioden in Milans Geschichte.
    foto: apa/afp/cacace

    Silvio Berlusconi präsidierte über eine der erfolgreichsten Perioden in Milans Geschichte.

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