"The Two Gentlemen of Verona": Die Romantik bricht, wenn die Schallplatte knickt

5. August 2016, 16:51
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Shakespeare's Globe zu Gast mit "The Two Gentlemen of Verona" bei Art Carnuntum

Petronell – Nicht ein Gespann Pferde könne aus dem Diener Launce herausziehen, in wen er verliebt sei, andere wiederum wie der Edelmann Proteus tragen ihr Herz auf der Zunge. Diese genussvoll ausgeleuchteten Facetten im Umgang mit schwer zu kontrollierenden Gefühlen machen selbst eine schlecht beleumundete Komödie wie Shakespeares Zwei Herren aus Verona zu einer Herzensangelegenheit. Mit der englischsprachigen Fassung ist nun das Londoner Globe Theatre zu Gast bei Art Carnuntum. Profunde Sprachkenntnisse verschaffen hierbei definitiv Vorteile.

Intendant Piero Bordin pflegt im Amphitheater von Petronell/Carnuntum seit vielen Jahren die Tradition historischen Openair-Theaters. Im 400. Todesjahr William Shakespeares war freilich das Globe Theatre an der Reihe. Historisch: ja. Aber die Erfindung des T-Bone-Mikrofons ist nicht spurlos an der Company vorübergegangen: The Two Gentlemen of Verona, zwei Edelleute mit einander in die Quere kommenden Herzensregungen, bekommen in Nick Bagnalls Inszenierung die amourösen Briefbotschaften denn vom Kofferplattenspieler geträllert. Mehrmals muss im Rausch der Emotion so eine kleine schwarze Single daran glauben. Die Musik dazu wird live produziert.

Gitarrenhälse aller Art gehen durch die Hände der fabelhaften Schauspieler, sie umklammern Mikrofonständer, schütteln Sambadosen, perkussionieren wild, und eine von ihnen, Amber James, singt, als hätte es Dusty Springfield nie gegeben (Musik: James Fortune).

Garry Cooper (nicht Gary!), ein Mann mit Format, steckt als Herzog in einem engen taubenblauen Gigolo-Anzug und verbreitet im Kreise seines Ensembles heitere Sixties-Stimmung: Miniröcke, toupierte Haare, XL-Sonnenbrillen. Die Räuber in den Wäldern tragen gar Flowerpower-Gewänder. Und das alles hat – im Unterschied zum österreichischen Sommertheater – wirklich Stil.

Es ist die Akkuratesse im Sprechen und in jeder Bewegung, die diese Inszenierung richtig zuspitzt. Dass auf das dröge Happyend des Originals (die Verschmähten kommen dann doch zum Zug) verzichtet wurde, tat dem Abend ebenso gut. (Margarete Affenzeller, 5.8.2016)

Bis 7. 8. , 19.30

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Art Carnuntum

  • Rivalen: Proteus (Dharmesh Patel), Thurio (Amber James, re).
    foto: barbara pálffy

    Rivalen: Proteus (Dharmesh Patel), Thurio (Amber James, re).

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