Chris Froome und der große Plan

5. August 2016, 16:28
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"Tour de France und Doppel-Gold? Das wäre phänomenal", sagt Chris Froome. Der Brite peilt in Rio Großes an. Die Österreicher Preidler und Denifl wollen überraschen

Rio de Janeiro – Chris Froome genießt das Flair in Rio de Janeiro in vollen Zügen. Mit seinem Teamkollegen Geraint Thomas radelte der dreimalige Tour-de-France-Sieger schon einmal vergnügt durchs olympische Dorf.

Entspannt schlürfte er während einer Trainingsfahrt eisgekühlte Kokosmilch. Und auch die enorme Erwartungshaltung beeindruckt den britischen Radstar nicht. "Wir wollen für Großbritannien eine Medaille holen. Wenn wir unsere Egos beiseitestellen, kann das jeder von uns schaffen", sagte Froome vor dem Straßenrennen am Samstag (14.30 Uhr MESZ).

Dabei weiß der 31-Jährige genau, dass vor allem er selbst im Fokus steht. Er gilt als einer der großen Favoriten auf dem anspruchsvollen Kurs über 237,5 Kilometer und 4500 Höhenmeter. Nach seinem Tour-Triumph kann Froome das zweite Kapitel einer historischen Trilogie schreiben.

Kunststück

"Tour de France und Doppel-Gold? Das wäre phänomenal. Vor allem das Zeitfahren in Rio liegt mir", hatte Froome kurz nach seinem dritten Triumph bei der Frankreich-Rundfahrt gesagt. Sein Landsmann und früherer Kapitän Bradley Wiggins traut ihm das Kunststück zu. "Er kann das, definitiv. So wie er die Tour gewonnen hat, wird seine Form noch zwei Wochen lang halten. Wenn es einer kann, dann ist er es."

Der Tour-Champion von 2012 hatte sein großes Jahr damals mit Zeitfahr-Gold in London veredelt. Die Queen hatte ihn daraufhin in den Rang eines Sirs erhoben. Auch wenn Froome noch nicht so beliebt ist wie Wiggins: Sollte der gebürtige Kenianer nun alles abräumen, ist wohl auch bei ihm der Ritterschlag fällig.

Froome weiß, dass er Gold nicht so generalstabsmäßig planen kann wie den Tour-Sieg mit dem Team Sky. Es stehen ihm nicht acht Helfer zur Seite, die das Rennen kontrollieren und ihn aus jeder Gefahr heraushalten. Es sind nur vier: Thomas, Adam Yates, Steve Cummings und Ian Stannard.

Weniger Taktik

"Du kannst bei Olympia nicht so taktisch denken wie bei der Tour. Du musst bereit sein, zu zocken und deine Chance beim Schopf packen", sagt Froome. Dass er auch dazu in der Lage ist, zeigte bei der Tour seine waghalsige Abfahrt in den Pyrenäen oder der Angriff auf der Windkante auf dem Weg nach Montpellier. Der schwierige Kurs in Rio könnte nicht nur Froome, auch den Österreichern Georg Preidler und Stefan Denifl entgegenkommen.

"Dass das Rennen so lange und schwer ist, und dass es wahrscheinlich ein komplett unkontrolliertes Rennen sein wird, kommt uns entgegen", sagte Preidler. Denifl: "Wenn alles super hinhaut, dann ist es mir eh lieber, es ist ein schweres Rennen. Prinzipiell taugt mir das, das liegt mir besser."

Dass die beiden Österreicher Froome in die Suppe spucken werden, ist trotzdem nicht zu erwarten. Viel eher ist das dem Spanier Alejandro Valverde, dem Italiener Vincenzo Nibali oder dem Niederländer Wouter Poels zuzutrauen. Froome will sich nicht zu viel Druck machen, sagt: "Ich habe mich vor vier Jahren über Bronze im Zeitfahren sehr gefreut. Wenn ich nach diesem Sommer hier noch eine Medaille gewinne, wäre das unglaublich." (sid, APA, red, 5.8.2016)

  • Chris Froome hat sich schon ein Bild von dem Kurs des Straßenrennens in Rio gemacht. Er könnte ihm liegen.
    foto: reuters/gaillard

    Chris Froome hat sich schon ein Bild von dem Kurs des Straßenrennens in Rio gemacht. Er könnte ihm liegen.

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